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Mittwoch, 11.08.2010

Auf nach Potsdam: Park Sanssouci

Der nächste Morgen, Mittwoch, 11.08.2010, begann mit einem luxuriösen Frühstücksbuffet, das keine Wünsche offen ließ (außer Butter, die hab ich an den 3 Frühstücksgelegenheiten unserer Zeit in Berlin nicht finden können). Das Wetter war mittelschön - wolkig, aber ohne Regen, und wir hatten geplant, diesen Tag vollständig in Potsdam zu verbringen. Potsdam, in touristischer Hinsicht vor allem bekannt für das Schloss Sans Souci (oder auch Sanssouci, unlogischerweise .. sans souci bedeutet "ohne Sorge" auf französisch) und weiteren Schlössern im Parkgelände um Sans Souci herum.

Sans Souci wurde im 18. Jahrhundert von König Friedrich II ("der Große") als Sommerresidenz errichtet und ist auch original erhalten geblieben. Dieser Friedrich gab auch 20 Jahre später das "Neue Palais" als Gästeschloss in Auftrag, das sich ebenfalls im Park Sanssouci befindet.
Kaum ein König hat Berlin und Potsdam wohl so geprägt wie Friedrich der Große - die Parkanlage in Potsdam beeindruckt sehr - sollte sie auch, denn Friedrich wollte damit auch die Preußische Vormachtstellung demonstrieren ^^

Apropos Friedrich. Im Park befindet sich ebenfalls eine alte Windmühle (oder was heisst alt. Sie war alt und musste aber nach dem Krieg wieder neu aufgebaut werden, da sie zerstört worden war - jedenfalls wurde sie so wieder aufgebaut, dass sie alt und original aussieht ^^ Wie so vieles in Berlin). Eine Infotafel dort beschreibt eine schöne Anektdote, die ich dem werten Leser nicht vorenthalten möchte ^^
Der große Friedrich jedenfalls soll sich eines Tages vom Geklapper der Windmühle neben seinem Schloss gestört gefühlt haben. Ich stelle mir den beschriebenen Ablauf nun so vor:
Meister Friedrich geht zur Mühle und nimmt sich den Müller vor. Friedrich: "Ey yo Müller. Deine Mühle suckt. Ich schmeiss dich raus". "Ey yo Friedrich, wtf. Ich war zuerst hier. Wenn du mich raussschmeisst, verklag ich dich."
Und die Drohung mit dem Berliner Kammergericht soll geholfen haben, der Müller konnte die Mühle behalten und Friedrich musste wohl mit Ohrenstöspeln im Liegestuhl liegen ^^
Fand ich zu schön ^^ Friedrich der Große, die Sonne Preußens, musste gegenüber einem Müller einstecken und sollte vor einem Gericht verklagt werden.

Das Neue Palais

Okay, wir kamen jedenfalls bei der Universität Potsdam an, die sich am Rand des Parkgeländes befindet und auch Gebäude des Neues Palais nutzt. So kamen wir am Neuen Palais raus, das uns schon mal beeindruckte. Also mussten Eintrittskarten her, damit wir uns den Spaß auch von innen anschauen konnten. Friedrich der Große hatte dieses Schloss wie gesagt eher für Gäste angelegt, während er selbst Sans Souci bevorzugte. Der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. aber liebte das Neue Palais und hielt sich oft und lange hier auf.
Ich konnte einen Blick in sein Frühstückszimmer werfen, wo er 1914 die Mobilmachung deutscher Truppen unterschrieben haben soll, was dann zum 1. Weltkrieg führte.

Saph und ich rutschten dann also jeder mit einem Kopfhörer auf den Ohren in Filzpantoffeln durch das Schloss, während wir uns Infos zu den einzelnen Räumen anhörten. Sowas find ich viel besser als richtige Führungen, da man sich alles selbst in eigener Geschwindigkeit anschauen kann ^^
Die öffentlichen Säle des Schlosses fand ich unheimlich beeindruckend, allen voran den Grottensaal und den großen Marmorsaal (Fotos siehe rechts). Zweck also erreicht - wie gesagt sollte das Ganze ja dazu dienen, Besucher von der Größe und Macht Preußens zu überzeugen :D

Der erwähnte Grottensaal ist ein Saal, der einen halb glauben lässt, dass man sich in einer Art von Muschelhöhle befindet. Die Wände sind mit Tausenden von Muscheln verkleidet und an den Übergängen zur Decke werden Seeungeheuer aus Muscheln geformt. Das alles sehr aufwändig und prachtvoll... Für was man als König alles Geld hat .. ^^
Der große Marmorsaal war der Festsaal des Schlosses, der die Höhe von zwei Stockwerken einnahm. Er sieht ebenfalls sehr prachtvoll aus, und in beiden Räumen finde ich auch die Böden besonders faszinierend, die mit unterschiedlich farbigen Steinen ausgelegt blumige Muster bilden. Nicht wie ein Mosaik aus kleinen Steinen, sondern irgendwie .. anders. In Wilhelms Kriegs-Frühstückszimmer (oben erwähnt ^^) ein ähnlicher Boden, nur aus verschiedenen Hölzern .. wie teuer so was sein muss..

Die restlichen Räume waren zwar ebenfalls teilweise prachtvoll ausgestattet und faszinierend, besonders aufgrund der Informationen des Audio-Guides, durch den ich zB. darauf aufmerksam gemacht wurde, dass ich erst im Todeszimmer Friedrichs III. stehe (vorletzter deutscher Kaiser, der nach nur 3 Monaten im Amt schon starb) und ein paar Räume weiter in dessen Geburtstaum .. ^^
Allerdings merkte man den Räumen das Alter schon an. Die Unterhalter des Schlosses beklagen den zunehmenden Schimmel, der sich über die Seidentapeten hermacht.
Das Ganze sah auch alles sehr unpersönlich aus. Okay, das Bett der Kaiserin und auf einem Tisch 2 Vasen (wow btw... prachtvoll verziert, Porzellan und unfassbar detailliert).. aber das sieht alles mehr arrangiert aus und nicht wie richtige Wohnräume. Was vielleicht auch daran liegen kann, dass die russischen Besatzer viele Möbel und Gemälde in die Sowjetunion verschickten und teilweise nicht wieder herausgaben. Auch Wilhelm II. hat einen ganzen Güterzug an persönlichen Gebrauchsgegenständen und Möbeln in sein Exil in den Niederlanden verschicken lassen.

Was ich irgendwie auch interessant fand, war dass Wilhelm II. das Schloss innen modernisierte. Er ließ elektrisches Licht installieren, es gab einen Aufzug, eine Dampfheizung und die Kaiserin hatte unterschiedliche, ordentlich beschriftete Klingelknöpfe, mit denen sie per Knopfdruck die Kammerfrau, Kleiderfrau oder Bettfrau herbeirufen konnte. Früher hätte sie noch eine Glocke schwingen müssen :/

Übrigens wurde ich nicht müde, während der ganzen Urlaubszeit Saph mit den Russen aufzuziehen. Die Möbeldiebe, die Stadtschlosssprenger (das Stadtschloss wurde ja, wie oben erwähnt, 1950 unter dem Einfluss der sowjetischen Besatzer gesprengt, da es ein Symbol des preußisch-deutschen Militarismus war.. Barbarei!), die Straßenzerstörer (die Schmuckpflasterung aus der Kaiserzeit der Prachtstraße "Unter den Linden" wurde entfernt und durch einen Betonplattenbelag ersetzt).. armer Saph ^^
Naja, und armes Berlin. Wie kann man ein Schloss sprengen, nur weil es ein Symbol einer früheren Zeit darstellt .. Protest!

Schloss Sans Souci

Okay, wie dem auch sei, es war schon halb 3 oder so, als wir mit dem Neuen Palais fertig waren - da hatten wir Schloss Sans Souci noch gar nicht gesehen und den Rest des Parks auch nicht. Also machten wir uns auf den Weg zum ziemlich genau 1,5km entfernten Schloss Sans Souci durch den schönen Park mit zahlreichen Statuen und Figuren.

Ja, was soll ich sagen, äußerlich sieht Sans Souci sowas von verspielt-niedlich aus ^^ Friedrich hatte auf jeden Fall Geschmack. Ich hätte ja die 12,00 für eine Besichtigung des gut erhaltenen Inneren bezahlt - es waren aber alle Führungen für die nächsten 1,5 Stunden ausverkauft und so verzichteten wir.
Wir schauten uns noch die Bildergalerie neben dem Schloss an, die im 18. Jahrhundert vom großen Friedrich errichtet wurde und eine riesige Sammlung von Gemälden beherbergt. Allerdings sind viele der originalen Bilder noch verschwunden (Sowjetische Bilderdiebe! ^^) und durch ähnliche Gemäde ersetzt worden.

Vom Schloss Sans Souci aus kann man auf einen Ruinenberg in einem halben Kilometer Entfernung schauen. Sie wirken wie antike Ruinen aus Rom oder Griechenland, eine Art Kolosseum steht dort, ein Torbogen und ein normannisch aussehender Turm. Sieht aus der Entfernung recht beeindruckend aus und ich hätte sie mir gerne angesehen - bis ich auf einer Infotafel gelesen hab, dass der Friedrich sie künstlich errichten lassen hat, wegen der inspirierenden Aussicht und als Verkleidung für ein Wasserreservoir, das sich auf dem "Ruinenberg" befand. .. Wie dekadent, künstliche Ruinen aufstellen! Ne, wegen künstlichen Ruinen wollten wir uns den Extra-Weg nicht antun. Auch wenn es natürlich trotzdem toll aussah, künstlich hin oder her ^^

Langsam wurden wir dann müde und hungrig, pilgerten aber noch zur Neuen Orangerie, einem weiteren Schloss im Park. Nicht weit von dort befindet sich das Drachenhaus, in dem zur Zeit Friedrichs des Großen der Winzer der Weinberge lebte und sich heute ein exklusives Restaurant befindet. Hier bestellten wir uns was leckeres zu Essen und pilgerten danach noch weiter zum Aussichtstürmchen Belvedere, ein ziemlich prunkvolles kleines Gebäude, das einen schönen Ausblick ermöglichen soll. War allerdings geschlossen. Ein sehr süßes Ding, allerdings auch neu aufgebaut, nachdem es im Krieg stark beschädigt worden war ("Oh, ein süßes Aussichtstürmchen. Gefahr! Zerschießen!") und danach verfiel. Riesige, bemooste Steinblöcke des Originals lagen noch daneben.

Danach, es war schon gegen 19 Uhr, ging es wieder auf den Weg zur Bushaltestelle Richtung Bahnhof Potsdam. Müde und kaputt schleppten wir uns an der Straße lang, konnten schon einen halben Kilometer vor uns die Haltestelle sehen. Ich sag noch "dass uns jetz bloß nicht der Bus von hinten überholt", schaue eine Minute später zufällig nach hinten und sehe den Bus. War absolut klar, dass das passiert ^^ Naja, wir mobilisierten ein paar letzte Reserven und sprinteten zur Haltestelle. Zum Glück war der Fahrer so nett und hat kurz gewartet, bis wir angehechelt kamen.

Im Hotel legten wir uns erstmal ins Bett für ein paar Stunden. Saph schlief, ich las das Buch "Der letzte Zeuge" von Rochus Misch, das ich mir für den Berlin-Trip passenderweise gekauft hatte. Der Autor ist der letzte Überlebende, der bis zum Schluss im Mai 1945 den "Führerbunker" unter der Reichskanzlei (die nicht mehr existiert) zusammen mit Hitler und seinen engsten Leuten bewohnte. Das Buch passte wirklich perfekt, denn ich konnte mir daraus immer weitere Orte ziehen, die man anschauen könnte. Bzw. ich konnte so perfekt nachvollziehen, wo Hitlers Kurier Rochus Misch in Berlin überall unterwegs war und was wo ist. Viele der Orte, die er erwähnte, hatte ich in diesen Tagen schon passiert, ohne zu wissen, was da früher mal war. "Die Russen stehen schon am Gesundbrunnen" - aaah, Gesundbrunnen, da waren wir doch, ohaa.

Berlin bei Nacht

Um halb 10 oder 10 abends weckte ich Saph. Wir wollten wieder in die Stadt und Berlin bei Nacht fotografieren. Saph schnappte sich das Stativ, ich den Fotoapparat und los gings. Wieder zum Hauptbahnhof, zum Reichstagsgebäude, zum Brandenburger Tor, "Unter den Linden" entlang bis zum Berliner Dom und dort dann am Alexanderplatz wieder in die S-Bahn - um 1 Uhr morgens ^^ Bis auf die Uhrzeit war kaum zu merken, dass es nachts war, denn es waren fast so viele Leute auf den Bahnhöfen unterwegs wie tagsüber auch, und das Mittwochs nachts oO
Irgendwie hat uns die S-Bahn dann total verarscht. Wir stiegen wegen der Müdigkeit in die nächstbeste S-Bahn Richtung Potsdam (über Hauptbahnhof und Zoologischer Garten, wo wir ja normal in die U-Bahn zur Berliner Straße umstiegen, der dem Hotel am nächsten liegende U-Bahn-Station). Wir merkten dann, dass sie aber nur bis zur Friedrichsstraße fuhr. Wir also dort raus, mit allen anderen auch, und ab zum Bahnsteig, wo auch Potsdam als Endhaltestelle stand. Dort warteten wir - die S-Bahn hatte auch noch 10 Min Verspätung, meine Beine taten weh und wollten sterben. Die S-Bahn kam endlich, es stand zwar Erkner statt Potsdam dran, aber egal, drei Linien fahren von dort zum Bahnhof Zoo, also dachte ich, es wird schon passen. Aber ne. Als ich 2 Minuten im Zug saß und meine Beine nur noch dumpf schmerzten schaute ich mir die S-Bahnkarte an, joah, und natürlich fuhr diese Bahn wieder in die entgegengesetzte Richtung, da Erkner der Endbahnhof der entgegengesetzten Richtung der Linie ist. Wir also wieder raus am Hackescher Markt und wieder 15 Minuten auf die nächste Bahn gewartet. Diesmal die richtige. Geschichten, die das Leben schreibt.
In Gedanken war ich schon im Bett, als wir am Zoo ausstiegen und zur U- Bahn liefen. Die war aber zu, vergittert. Wtf, dachten wir. Wir hatten beim Losfahren extra geschaut, bis wann nachts die U-Bahnen fahren. Und eigentlich waren wir vor der letzten Bahn dort. Naja gut. Wir gingen zum U-Bahneingang auf der anderen Seite. Hätte ja sein können, dass der offen ist. Aber äh ne ^^ Irgendwie war ich den Tränen nah ^^ Unendlich müde und irgendwo in ner Stadt am Bahnhof.. ne, das is nix für meine Nerven.
Aber Glück im Unglück: wir fanden eine Nachtbuslinie, die genau die gleichen Haltestellen anfuhr wie die U-Bahn, 20 Min später saßen wir im annähernd vollen Bus und um 2 waren wir im Hotel. Ich hab gut geschlafen.


Treppe in der Geschichte-Fakultät der Uni Potsdam (da will ich studieren!) | Zoom

Das Neue Palais im Park Sanssouci | Zoom

Der Grottensaal im Neuen Palais Zoom

Wilhelms Frühstückszimmer im Neuen Palais | Zoom

Porzellanvasen und Uhr vor einem Spiegel im Neuen Palais | Zoom

Der Große Marmorsaal im Neuen Palais | Zoom

Vor dem Schloss Sans Souci | Zoom

Schloss Sans Souci | Zoom

Die Neue Orangerie | Zoom

Das Aussichtstürmchen Belvedere | Zoom

Hauptbahnhof Berlin | Zoom

Reichstagsgebäude | Zoom

Brandenburger Tor | Zoom

Berliner Dom, im Hintergrund der Fernsehturm am Alexanderplatz | Zoom

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