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Donnerstag, 7.08. - Sonntag, 10.08. (Tag 12-15)

Donnerstag, 7.08.2008 - 12. Tag

Als wir aufwachten, war der Regen schwächer geworden. Das hob unsere Laune sofort und merklich an :D Dem Zelt muss man auf jeden Fall bescheinigen, dass es über 24h Dauerregen gut verkraftet hat. Zwar war die Außenhaut völlig durchnässt und ließ das Wasser auch nicht mehr so gut außen abperlen, aber innen war es trocken. Gute Wahl, Mädel :D

Beim Aufstehen stellten wir fest, dass die Situation draußen sich nicht allzusehr geändert hatte. Der Seitenarm neben unserer Insel hatte sich ein bisschen weiter gefüllt, war aber noch weit davon, nicht mehr überquerbar zu sein oder sogar richtig zu fließen. Es hatte aufgehört zu regnen und wir nutzten die Gelegenheit sofort, das Zelt abzubauen und ein bisschen auszubreiten und anschließend ziemlich nass einzupacken. Sowas macht man als Mensch, der seine Sachen pfleglich behandelt, ungern ^^

Aber wir waren trotzdem froh, dass wir wieder weiter konnten und machten uns dann schließlich mit Sack und Pack auf den Weg den winzigen Wildcat Trail entlang. War erst ein bisschen enttäuscht, weil das nicht so richtig spektakulär aussah, einfach ein Trampelpfad zwischen Fluss und Zäunen entlang.
Je länger wir aber unterwegs waren, desto besser wurde es. Holzschilder mit dem Katzenlogo wiesen uns immer in die richtige Richtung und der Pfad führte schließlich weg von Zäunen. Ok, ganz immer waren wir uns mit der Deutung des Schildes nicht so ganz einig. Teilweise war die Katze falschrum angebracht, oder ein Pfeil, der in eine Richtung wies und auf einer anderen Seite des Pfahls noch ein Logo, diesmal ganz woanders hin. Aber naja, künstlerische Freiheit vielleicht :D

Den Fluß ließen wir dann auch links liegen, bekamen aber noch schöne kleinere Wasserfälle präsentiert. Schließlich ging es eigentlich nur noch über Schafweiden und wir passierten alle paar Meter Gatter, die extra für Wildcatwanderer dort aufgebaut waren, um die unzähligen Schafweiden zu überqueren. Mit unseren Rucksäcken passten wir kaum durch ^^

Die Tour war irgendwie so besonders, dass wir uns schnell einig waren, dass der Weg ansich definitiv zu den Highlights des ganzen Urlaubs zählten. Waren auch manchmal Tafeln angebracht, wo was über frühere Besiedlungen der Gegend erklärt wurde. Anderen Leuten begegneten wir kaum, obwohl wir teilweise direkt auf Privatgelände unterwegs waren. Ein alter Bauer mit Hund wünschte uns noch viel Spaß auf dem Wildcat, als wir über seinen weitläufigen Hof über Wiesen und unter alten Bäumen durchliefen :D

Die Landschaft war auch ziemlich einzigartig. Eine Weile lang war rechts von uns ein lichter Wald mit hohem Gras und links von uns ein abartig genialer Blick über eine grüne Ebene und Schafweiden auf einige Berge, wo die Wolken rüberzogen. Ahja, das Wetter war auch viel besser geworden, es taten sich immer mehr blaue Stellen im Himmel auf und die Sonne schaute durch. Regen gab es nicht mehr :D Einfach genial jedenfalls, das Ganze.

Am relativ frühen Nachmittag begannen wir auch, nach einem neuen Zeltplatz zu suchen. War nicht einfach, denn größtenteils waren wir ja auf Privatgebiet unterwegs und der gesamte Boden war mehr oder weniger mit Schafscheisse vermint. Andererseits war der Weg auch einfach echt geil zum Laufen und es war nicht so, dass wir auf dem Zahnfleisch gingen :D
Der perfekte Platz präsentierte sich dann auch von ganz allein. Nachdem wir eine weitere Schafweide überquert hatten, ging es durch ein Stechginstergebüsch und ein geiler Anblick tat sich uns auf - siehe eins der Fotos rechts ^^. Eine abschüssige Wiese, die schräg nach unten in ein von nem kleinen Bach durchzogenes Tal führte, links bahnte sich ein etwas größerer Bach seinen Weg über mehrere Kaskaden nach unten. Das war einfach unheimlich idyllisch :D Musste natürlich ein paar Wasserfallbilder machen. Danach musste ich noch was anderes und ging wieder ein Stück nach hinten, am Stechginster entlang. Mir offenbarte sich ein schmaler Durchlass durch das Gebüsch. Der Ginster biss mich, als ich mich dort durchkämpfte, aber es hat sich gelohnt. Hinter dem Stechginster gab es eine freie Stelle, ringsum umgeben von Stechginster, die westliche Seite wurde vom Bach begrenzt. Der lärmte zwar, weil direkt hier auch ein Wasserfall war, aber die Wiese war einigermaßen grade und sogar die Schafe schienen den Platz noch nicht so richtig gefunden zu haben, denn der Anteil an Schafscheiße war vergleichsweise gering. Alles in allem einfach perfekt. Ich holte Saph, der erst wegen dem Stechginster ein bisschen quiekte, dann aber auch von dem Platz begeistert war. So war es beschlossene Sache, dass wir die Nacht hier verbringen würden.

Die Sonne schien die ganze Zeit über und so konnte auch das Zelt wieder trocknen und wir machten uns ans Kochen. An fließendem Wasser kochen macht vieles einfacher :D Wasser genug vorhanden, man kann vorspülen, man muss einfach nicht immer an die Vorräte. Das Wasser war zwar ein bißchen bräunlich, aber so kleinlich waren wir nicht, als dass wir das nicht benutzt hätten ^^
Das einzige Manko an diesem Platz war das laute Rauschen des Wassers. Zum Verständigen mussten wir schon die Stimmen erheben, und wir waren nicht sicher, ob uns der Wasserfall nicht vom Pennen abhalten würde.
Tat er erst auch, so ein Rauschen direkt neben dem Ohr stört dann doch was. Als ich endlich eingeschlafen war, wurde ich von Saph wieder geweckt, der sich krank fühlte, ihm war irgendwie übel. Es war ein Uhr nachts und ich durchkramte unseren Medizinbeutel, den wir freundlicherweise von seiner Mutter bekommen hatten nach Tabletten oder irgendwas gegen Übelkeit. Fündig wurde ich nicht. Nachdem wir eine halbe Stunde so rumsaßen und überlegten, was wir machen sollten - besonders wenn er richtig krank werden sollte - ging es ihm wieder ein bisschen besser und wir legten uns wieder hin, in der Hoffnung, dass Schlaf ein bisschen helfen würde.

Die Nacht verging dann auch für mich ohne weitere Störungen, Saph lag aber wohl noch länger wach.. >_<

Freitag, 8.08.2008 - 13. Tag

Beim Aufwachen ging es Saph wieder besser. Ihm war noch immer ein bisschen schlecht und fühlte sich krank, aber es war nicht so, dass er mit Delirium im Bett lag. Mal davon abgesehen, dass er mir sehr Leid tat - wer läuft schon gerne mit Rucksack (inzwischen nur noch schätzungsweise 13kg) auf dem Rücken durch die Landschaft, wenn er sich fiebrig fühlt >_> Und zweitens waren wir auf seine Tragkraft angewiesen. Heute war Freitag, wir mussten es zumindest bis zurück nach Newtonmore schaffen, denn spätestens morgen mussten wir wieder in Edinburgh sein. Sonntag morgens ging unser Flug zurück nach Deutschland.

Aber es ging. Wir pennten angezogen noch ein bisschen im Zelt und fingen dann gegen 10 an, alles wieder abzubauen. Das Wetter war ok, ich konnte noch ein paar ziemlich schöne Fotos mit tiefhängenden Wolken und beleuchteten Bergen machen :D

Und dann ging es weiter. Zum ersten Mal in der ganzen Zeit in Schottland bin ich vorne gelaufen und Saph hinter mir, der die ganze Zeit auch ziemlich still war.. Die schönste Gegend hatten wir auch hinter uns.

Nach ca einer Stunde kamen wir wieder in der Zivilisation an, will heißen, auf der Durchgangsstraße durch Newtonmore ca einen Kilometer vom Ortsrand entfernt. Saph ging es noch immer nicht so gut, er war vor allem sehr müde, weil er in der Nacht nicht viel gepennt hatte.

Vor dem Ortseingang befand sich der Eingang zum Highland Folk Musuem, wegen dem ich eigentlich ursprünglich überhaupt nach Newtonmore wollte.
Es handelt sich um ein ziemlich weitläufiges Gelände von einer Meile Länge, auf dem verschiedene alte Häuser aus Schottland wiederaufgebaut waren. Diese waren an ihrem ursprünglichen Standort abgebaut worden und dann nach Newtonmore transportiert worden, inklusive der ganzen Einrichtung.
Wie man vermutlich weiss, bin ich großer Freund der schottischen Geschichte, und damit meine ich nicht die letzten 50 Jahre, sondern eher die Zeit vor der "Englisierung" Schottlands ab Mitte des 18. Jahrhunderts. Von Geschichte haben wir auf unserer Tour bisher eher relativ wenig mitgekommen, daher hoffte ich, dass es hier mehr dazu gäbe.
Da der Eintritt gratis war - man ist erstaunt und erfreut zugleich - wollten wir das also einfach mal machen. Die Rucksäcke konnten wir im zugehörigen Gift Shop stehen lassen und wir machten uns auf den Weg. Es gab eine alte Schule, eine alte Schreinerei und einen Uhrmacher, alles sehr schön und glaub original eingerichtet. Nur.. nicht ganz die Zeit, die mich interessierte, das war alles so um 1900 rum. Also gingen wir weiter, sie hatten sogar ein Stückchen Wald auf dem Gelände - der vom Wildcat Trail gekreuzt wurde ^^. Dort gab es noch eine Wasser-Sägemühle zu sehen und ein Gehege mit 2 Wildschweinen. Wie kann man nur so fett sein :D

Einen Hügel hoch und wir standen in einem Dorf um 1700. Sie haben dort mehrere Hütten aus Stein, Zweigen und Lehm aufgebaut, mit Kräutergärten daneben und brennenden Feuern innen. An ein paar weiteren Hütten haben sie noch gebaut. Die Hütten kamen aus verschiedenen Zeiten bzw. Menschengruppen, so gab es Hütten, die auf einem Steinfundament nur aus Zweigen gebaut und mit Lehm etwas abgedichtet waren. Ist schon seltsam sich vorzustellen, dass man früher so gelebt hat, in so zugigen Hütten und mit Spinnen und Insekten zusammen >_> Andere Hütten waren ganz aus Stein oder Torfblöcken gebaut. Licht kam keins rein, dafür auch kein Wind. Als wir eine dieser Hütten betreten haben, schlug uns gleich der Ruß entgegen. Innen brannte ein Feuer - zwar mit Abzug nach oben, und Rauch war nicht wirklich in der Hütte, aber die Nase litt ^^ Das Feuer kann man sich jetzt nicht als helles Lagerfeuer vorstellen, sondern als eine Feuerstelle mit glimmenden Kohlen und vielleicht ein paar wenigen Flammen. Es hat den Innenraum in dämmriges Licht gehüllt, 2m vom Feuer weg konnte man aber wieder nur tasten. So zu leben ist wirklich eine andere Welt..

Nachdem wir jedenfalls das gesehen haben, gingen wir wieder zurück zum Eingang vom Museumsgelände, wo es ein Kaffee geben sollte. Saph war noch immer sehr ruhig.
Im Kaffee, das erstaunlich gut ausgerüstet war - im Kantinenstil einfach alles nehmen was man will und dann bezahlen - besorgte ich mir einen Kaffee (seeeeehr lecker) und ne schottische Gemüsesuppe (mhhhhhhhhhh ;_;), Saph ne heiße Schokolade. Tat mal wieder gut :D
Danach Rucksäcke abgeholt, Mülltüte entsorgt und weiter in die Stadt rein. Newtonmore stellte sich als sehr hübsch heraus. Lauter schmucke Steinhäuschen an der Straße, viel B&B. Vergeblich suchten wir nach Hausnummern, die Häuser hatten dafür alle niedliche englische oder gälische Namen.
Ich deponierte Saph und die Rucksäcke auf einer Bank und machte mich allein auf den Weg herauszufinden, wie man am Besten nach Edinburgh käme. Eine nette Frau im Wildcat Visitor Center sagte mir, dass Bus auf jeden Fall billiger wäre als Zug, aber wie viel der kosten würde, konnte sie mir auch nicht sagen und schickte mich weiter zu einem anderen Laden - Country Crafting oder so (handwerkliche Dekosachen, mit nem Kaffeeraum und wie wir später rausfanden, auch Internetanschluss). Dort fragte ich ebenfalls wieder, die konnte mir aber auch nicht richtig weiterhelfen. Zurück zu Saph überlegten wir, dass es wohl am Besten wäre, den Bus im Internet zu buchen. So haben wir auch bei der ersten Busfahrt statt 44 Pfund nur 17 Pfund bezahlt.
Also fragte ich im Post Office nach Public Internet Acceess, der schickte mich wieder zum Country Crafting Laden ^^ Saph und ich marschierten dorthin und wurden dort in einen dunklen Nebenraum geschickt, immerhin mit einem Rechner und Internet :D

Dummerweise war der Ort Newtonmore nicht in der Liste aufgeführt, von wo aus man den Bus buchen kann - obwohl der Bus laut Fahrplan hier vorbeifährt. Also gut, dann eben Aviemore, womit wir eigentlich zuviel gebucht hätten, aber besser als gar nicht. Wir dachten, dass das sicher kein Problem wäre, einfach 2 Stationen später als gebucht einzusteigen.
Wieder draußen überkamen uns da aber Zweifel. Was, wenn die Platzreservierung verfällt, wenn wir in Aviemore nicht wie gebucht einsteigen? Blieb wohl nur, auf der Hotline des Unternehmens - in englisch ;_; - anzurufen. Am Anfang vom Urlaub hatte ich noch ziemliche Aversionen dagegen, mit Einheimischen zu sprechen, weil man gleich raushört, dass ich aus Deutschland komm und so, bin da eher schüchtern. Aber die Erfahrung zeigte, dass alle Schotten, mit denen wir zu tun hatten, sehr freundlich waren und so legte sich das mit der Zeit und ich rief sogar auf der Hotline an, ohne einen Herzinfarkt zu kriegen. Leider sagte uns die freundliche Dame, dass unser Plan nicht aufgeht und wir entweder in Aviemore einsteigen müssen oder gar nicht.
Yeah, also zurück nach Aviemore. Laut dem Busplanprospekt hatten wir den Bus grad verpasst, der Nächste sollte erst in 2 Stunden fahren. Saph aber, der gut aufgepasst hatte, fragte, ob ich denn den angeblich verpassten Bus habe vorbeifahren sehen. Nein, antwortete ich und wir rannten zur Bushaltestelle. Eine Oma stand da und ich fragte, ob sie auch auf den Bus nach Inverness warten würde und lächelnd nickte sie.
Wirklich, ich mag die Briten oder Schotten. Beim Wandern grüßt man sich grundsätzlich mit hello/hi/hey ho/hey folks oder sowas ^^ Und wir wurden auch einige Male angesprochen, wo wir hin wollten, ob das Wetter nicht toll wäre und solche Sachen. Mal von unserer Einladung zum Lagerfeuer abgesehen ^^

Und so fuhren wir also wieder zurück nach Aviemore, da kannten wir uns ja inzwischen aus. War eben ein bisschen blöd, dass wir da auch erst um ca 6 abends ankamen und dann erst noch ein gutes Stück aus der Stadt raus mussten, um nen Zeltplatz zu finden - wie immer eben. Wir entschieden uns, dem Speyside Way ein Stück zu folgen - das ist ein weiterer Langstreckenwanderweg, der in Aviemore beginnt und dann am River Spey über einige Whiskybrennereien nach Norden führt.
Letztendlich liefen wir dann noch ca 3 Kilometer, bis wir einen Platz fanden, an dem wir uns mehr schlecht als recht niederlassen konnten. Erfreulicherweise stellten wir nach kurzer Zeit fest, dass auf beiden Seiten des Platzes in ca 150m Entfernung Schienen vorbeiführten. Die eine Seite für den normalen Zugverkehr, auf der anderen fuhr mehrmals täglich eine alte Dampflok. Sie kündigte sich mit einem lauten Pfeifen an, wenn sie aus Aviemore Richtung "Boat of Garten" abfuhr und kurz darauf kam sie dann bei uns vorbei. Ich mag diese alten Loks :D Die Soundkulisse und den Dampf und überhaupt das Ganze ._. Man konnte ihr "tschuff-tschuff" auch nach Meilen noch hören.

Saph kochte uns klasse Bolognesenudeln aus der Tüte, die waren verdammt gut :D
Etwas wehmütig verstaute ich danach die Kochsachen wieder - schließlich war das die letzte Nacht im Zelt ._. Wir kamen ausserdem auch auf die glorreiche Idee, uns und die Rucksäcke auf Spinnen und anderes Getiert zu checken, bevor wir sie ins Zelt warfen. Bei der Kontrolle fanden wir eine dicke Spinne auf meinem Rucksack. Ist ja schön, dass wir vor der letzten Nacht des Urlaubs rausfanden, warum wir immer Spinnen im Zelt hatten >_> Ok, nächstes Mal wissen wir, was zu tun ist :D

Die Nacht verging dann auch ohne Zwischenfälle, ausnahmsweise.

Samstag, 9.08.2008 - 14. Tag

Gegen 9 wurde ich von der ehrenwerten Dampflok geweckt, die pfeifend und fauchend ihre erste samstägliche Tour begann. Leider regnete es - mal wieder. Diesmal konnten wir den Regen aber nicht aussitzen, weil um 1 der Bus nach Edinburgh ging und wir noch 3 km laufen mussten. Also schnell im Regen alles abbauen, Regenplane über die Rucksäcke und los. Gut gegen Regen geschützt macht mir Regen auch nicht so viel aus, und so kamen wir relativ gechillt und eine Stunde zu früh in der Stadt an. Im Bahnhofsgebäude besetzten wir ne Bank, eine aktuelle Tageszeitung lag auch rum und so verging die Zeit auch. Zumal ich die Gelegenheit hatte, mir die Abfahrt der Dampflok mal zu geben :D

Der Bus nach Edinburgh war voll bis oben hin, es mussten auch ein paar Leute ohne Reservierung stehen bleiben. Bin froh, dass wir doch reserviert- und auf der Hotline angerufen haben, sonst hätten wir doof geguckt in Newtonmore.
Bei gutem Wetter kamen wir am Nachmittag um ca 5 in Edinburgh an und bahnten uns gleich einen Weg zum Tourist Information Center, wo auch Übernachtungsmöglichkeiten vermittelt werden. Offensichtlich waren wir nicht die einzigen, die das wollten, es war jedenfalls ziemlich voll im Center, und im Übrigen auch in der ganzen Stadt, wie wir herausfinden sollten. Jedenfalls gab es keine geeignete Übernachtungsmöglichkeit mehr in der ganzen Stadt. Geeignet hätte ich so höchstens 70 Pfund für beide gefunden, und wenn möglich in Innenstadtnähe oder auf der Strecke zum Flughafen. So blieb dann nur noch die Möglichkeit, ein Zimmer im Studentenwohnheim zu bekommen für 110 Pfund, immerhin mit Frühstück.
Zähnekirschend reichte ich meine Kreditkarte für die Anzahlung, erhielt einen Stadtplan und wir dackelten los. Es waren ca 2 km zu laufen und nach kurzer Zeit setzte ein guter schottischer Regen ein - also einer, wo konstant viel Wasser runterkommt. Diesmal waren wir nicht so gut vorbereitet und waren nach kurzer Zeit relativ durchnässt, die Rucksäcke und deren Inhalte auch. Total von Regen und Schweiss durchnässt mit klebrigen Haaren und Ringen unter den Augen boten wir sicher keinen so attraktiven Anblick, als wir uns an der Rezeption den Schlüssel zum Zimmer aushändigen ließen.

Überraschenderweise war das Zimmer immerhin recht nett eingerichtet und hatte auch Dusche und Klo in so nem winzigen Raum direkt im Zimmer. Wir fielen erst kurz ins Bett, um zu sterben und uns nach der Neugeburt dann unter die Dusche zu begeben. Die erste warme Dusche seit zwei Wochen und die erste Dusche überhaupt seit über einer Woche. Ein bisschen Körperpflege tut schon sehr gut :D Tolles Gefühl, frisch gewaschen in einem Bett zu liegen, dem ersten Bett nach 2 Wochen ^^
Wir schauten uns eine Edinburgh-Broschüre an und beschlossen, mal irgendwann ein Edinburgh-Wochenende zu machen. Ich fand es so schade, dass wir kaum Sehenswürdigkeiten angesehen haben (Burgen und Whiskybrennereien ._.) und auch in Edinburgh kaum was gesehen haben >.<

Nachts wachte ich ein paar Mal auf, weil man jeden Schritt und jedes Wort auf dem Gang draußen gehört hat. Mitten in der Nacht fanden es ein paar Leute lustig, erst laut zu reden, an Türen zu klopfen und kichernd wegzurennen. Was solls.

Sonntag, 10.08.2008 - 15. Tag

Zum Frühstück gings in die Campus-Kantine direkt am Wohnheim. Gab eine riesige Auswahl, auch schottisches Frühstück :D Ich lud mir Porridge, gebratene Tomaten, Haggis, Spiegelei, Kartoffelcrunchdinger, gebratene Pilze und noch mehr Zeug auf den Teller und musste mir auch noch Cornflakes besorgen >_> Jedenfalls schaffte ich das alles nicht wirklich ._. Was ne Verschwendung ._. Aber war lecker :D Hab auch das erste Mal Haggis probiert, das schottische Nationalgericht (Hackfleisch, Kräuter und so, gekocht in Rindermägen (glaub ich)). Schmeckte lecker, war mir aber zu fettig ._.

Um kurz nach 8 waren wir fertig und liefen wieder in die Innenstadt, von wo aus uns der Shuttlebus zurück zum Flughafen bringen sollte.
Von hier aus gibt's auch nicht mehr wirklich was zu berichten. Alles geklappt, pünktlich zurück in Deutschland. Wir wurden von Saphs Eltern am Flughafen abgeholt und zu Hause präsentierten sie uns einen schön verzierten Willkommen-zurück-Kuchen.


Ich nicht unbedingt salonfähig vor Cairngorm-Kulisse

Schöne Kaskaden des Bachs am Rande einer Wiese am Wildcat-Trail

Besucher auf unserem Zelt

Hübscher Zeltplatz, aber laut, wegen nem Wasserfall direkt daneben

Auch am Wildcat, die Vögel hab ich ganz zufällig erwischt :D | Zoom

Cairngorms am Wildcat | Zoom

Die Dampflok in Aviemore

Edinburgh's dunkler Turm (Scott Monument) | Zoom

Edinburgh bei Nacht | Zoom

Gebäude auf dem Uni-Campus in Edinburgh

Rückflug nach Weeze :/

Tja, das war unser Schottland-Urlaub 2008.

Rückblickend haben wir ne Menge erlebt und gemacht und es war sicher jede Erfahrung wert. Ist zwar nicht einfach, sich mit widrigen Umständen wie Regen, Spinnen und keine Dusche und Klo zu arrangieren, geht aber. Würd ich auch gerne mal wieder machen :D

Beim nächsten Mal aber auf jeden Fall vorher besser planen, nicht erst vor Ort dastehen und noch nicht wissen, wo wir hin sollen. Am Urlaub hat mich ein bisschen gestört, dass wir zwar schön gewandert sind, aber das kann man an jedem Ort machen - bis auf dass eben Wildcampen in Schottland erlaubt ist und sonst eher nicht so ^^

Mir fehlte ein bisschen das schottische Feeling, also Kontakt mit der schottischen Vergangenheit. Hin und wieder fielen mir Männer auf, die mit langen roten Haaren und Bart schon irgendwie aussahen, wie man sich ihre wilden Vorfahren vorstellt, aber meistens begegneten wir nur ganz einfachen britischen Familien auf ihren Wochenendtouren. Aber gut, ich weiß auch nicht genau, wie ich mir das anders vorstellen würde ^^

Bis irgendwann dann wieder in Schottland ._.

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