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Samstag, 2.08. - Montag, 4.08.2008 (Tag 7-9)

Dienstag, 5.08.2008 - 10. Tag

Morgens stieg ich aus dem Zelt und das Wetter war glücklicherweise sehr schön. Aus irgendwelchen Gründen wollten wir nicht mehr auf die Uhr - heisst: Handy - sehen und ich wusste die Uhrzeit nicht, es war aber bestimmt nicht nach 8. Der See lag im Schatten, aber der gegenüberliegende Berg war von der Sonne beschienen, Nebelschwaden hingen am Gipfel und das alles spiegelte sich im See - siehe Bild. Leider kamen die Midges gleich wieder und wir mussten uns mal wieder mit dem Zeltabbau beeilen und sind ohne Frühstück losgetrabt. Ich dachte ja an eine Schutzhütte ca einen km weiter. Da kann jeder rein, nur keine Midges :D

Also liefen wir ca eine halbe Stunde bei schönstem Wetter und toller Morgenluft und trafen schließlich auf diese Steinhütte, die extra für Wanderer gebaut wurde, um darin Schutz zu suchen. Es handelte sich um eine Hütte mit nur einem einzigen Raum, einem Tisch, ein paar Stühlen und einem großen Kamin. Es lag auch ein dickes Gästebuch drin, und die vielen Einträge von den Tagen davor zeigten, dass die Hütte nicht grad schlecht besucht ist. Und so packten wir denn unsere Kochutensilien aus und kochten unsere Frühstückseier halt in der verdammten Hütte statt in der Natur, aber immerhin ungestört :D

Frisch gekräftigt konnten wir also den Weg einschlagen, der drohend direkt von der Hütte aus bergan führte. Alles kein Problem, dachte ich erst - locker flockig da hoch rushen, und so lief es erst auch, bei schönstem Wetter den Berg hoch und die Aussicht wurde immer toller. Die Kondition ließ dann aber so irgendwie irgendwann nach.
Es ging jetzt nicht senkrecht nach oben oder so, waren insgesamt dann aber doch 450-500 Höhenmeter, die wir da gekillt haben. Ohne Rucksack wär ich natürlich hochgehüpft :D

Das Wetter ließ uns nicht im Stich - die Sonne kämpfte gegen reinziehende Wolken, wurde einmal ne Weile verdeckt, siegte letztendlich aber. Und Kinders, ich kann euch nur raten: klettert mal aus eigener Kraft auf einen Berg :D Das Gefühl, es geschafft zu haben, ist ziemlich toll.

Als wir oben ankamen, waren wir leider nicht allein, aber die Aussicht war gigantisch. Der Meall a' Bhuchaille ist zwar nur 811m hoch, was für unsereins hier eher nicht viel klingt - aber man sollte das mit einem anderen Maßstab messen als in den Alpen :D Die Sicht war Klasse, wie hatten einfach Glück. Im Norden schien es uns, als könnten wir das Meer sehen, im Westen gab es einen schönen Blick auf unsere bisherige Route von Aviemore über Loch an Eilein zu Loch Morlich und schließlich den Berg hoch. Im Süden reichte der Blick nicht ganz so weit, nur über ein riesiges einsames Tal bis zur nächsten Bergkette. Und im Osten.. Hügel, Felder, und das ziemlich weit. Erinnerte mich ein bisschen ans Auenland :D

Jedenfalls war es sehr geil, da oben zu sein. Gab erstmal schön was zu trinken, Äpfel, Kekse und ich hab ohne schlechtes Gewissen ein paar Stücke Schokolade gefuttert, auch mal tolles Gefühl :D
Es wurde dann auf einmal ziemlich kalt und wir machten uns an den Abstieg. Der Berg scheint so ne Art Familiensport zu sein, es waren einige Parteien oben, auch mit ca 10jährigen Kindern, und auf dem Weg nach unten echote verdächtig ein kreischendes Baby. Naja, was solls, machts halt jeder, aber wir auch ^__^
Der Weg runter war nicht der gleiche Weg wie hoch, sondern er ging auf der anderen Seite nach unten über eine Bergschulter und dann ein Stück über die Hänge und in einen Wald rein, wo der Weg irgendwann wieder in Glenmore Village rauskommen würde.

Da auf dem Berg die Midges erfrischend nicht vorhanden waren, machten wir uns Sorgen, wie es sein würde, wenn wir wieder in niedrigere Gefilden kommen, in den Wald zB, Midges lieben Wald. Um noch ungestört futtern zu können, haben wir uns kurzerhand direkt neben den Weg gepflanzt und unter neidischen Blicken von Leuten, die nach oben wollten oder von dort kamen, Spaghetti gekocht. Zu dem Zeitpunkt verlor dann die Sonne leider den Kampf gegen die Wolken doch noch und wurde durch einen einsetzenden leichten Nieselregen nochmals ausgelacht. Was solls ^^ Unsere einzige Sorge war eher, was wir denn nun weiter machen sollten, denn die in Frage kommenden Routen um Aviemore aus unseren Büchern hatten wir nun alle abgeschritten. Wohin also weiter? Es war Dienstag nachmittag, am Samstag mussten wir in Edinburgh eintrudeln. Blieben also im Prinzip nur noch 3 freie Tage, die wir verplanen konnten. Wollte auch nicht wirklich wieder in eine völlig andere Richtung fahren, denn leider ist Busfahren nicht grad billig auf der werten Insel - zumindest, wenn man nicht die Gelegenheit hat, im Internet zu buchen.

In Glenmore gab es ein Tourist Center, dessen Mülleimer vor der Tür erstmal nutzen, uns zweier voller Müllsäcke zu entledigen. Ich hatte nicht nur dort das Gefühl, dass wir aussahen wie Penner ^^ Saph hatte immer die Plane auf dem Rucksack aufgeschnallt, von einem der beiden Rucksäcke baumelte mindestens eine Mülltüte und ein blauer Müllsack als Regenschutz war auch noch an Saphs Rucksack befestigt. Und wir beide selbst.. ok, offen gestanden gibt's unterwegs beim Wandern und Zelten ohne Campingplatz nicht sooo viel Gelegenheit zum Duschen und Haare waschen ^^ >_<
Wie dem auch sei. Außer einem sehr lecker aufgemachten schottischen Wein, nette dahinplätschernder Traditional Folk und einigen ziemlich teuren keltischen Souvenirs haben wir im Tourist Center nicht wirklich was gefunden. Zufällig wussten wir aber, um welche Uhrzeiten ein Bus nach Aviemore die "Stadt" querte und wo er auf Winkzeichen hin anhält. Was auch klappte, nach Aviemore ließen wir uns also zurücktragen ^^ Und in Aviemore gibt's ebenfalls ein Tourist Center.

So langsam ging es auch auf 4 oder so zu und wir wurden ein bisschen panisch, da wir eigtl nicht mehr in Aviemore bleiben wollten.
In einem käuflich zu erwerbenden Buch sah ich, dass es in Newtonmore ein Highland Folk Open Air Musuem gibt, was angeblich ziemlich sehenswert sein sollte. Newtonmore war offensichtlich nicht weit weg, 20 Minuten ca mit Bus oder Bahn. Außerdem sollte es dort auch noch ein bisschen was zum Wandern geben.
So stand unser Ziel dann wohl fest ^^ Erst aber nochmal schnell in Tesco rein, bisschen Futter aufstocken und ein Eis kaufen.
Wie wir da so vor Tesco auf nem Stein saßen und unser Eis lutschten, streifte plötzlich eine dünne schwarze Katze an Saphs Bein entlang. Naja, mag man denken, bei einer 2400-Einwohner-"Stadt" eher nicht sooo was besonderes. Man sollte dann dazu erwähnen, dass Aviemore im Prinzip nur eine einzige Straße ist und zudem das Touristenzentrum in der Gegend ist. Und eine Umgehungsstraße gibt es nicht. Jedenfalls war die eine Straße zu jedem Zeitpunkt, dessen wir ansichtig wurden, IMMER vollkommen überfüllt war. Die Autos stauten sich durch die Stadt durch und es waren auch ziemlich viele Fußgänger unterwegs. Also dann doch eher Stadtfeeling. Und da lief gechillt so ne Katze durch. Katzen mögen normalerweise weder Autos noch Menschenaufläufe, aber diese hier lief uninteressiert dort rum, tappte auf die Straße, blieb mitten drauf stehen und schnupperte ein bisschen rum. Den Autofahrern halte ich zu Gute, dass sie nicht gehupt haben ^^ Eine dicke Frau lockte die Katze schließlich von der Straße und sie spazierte mit hoch erhobenem Schwanz in einen Outdoorausrüstungsladen rein. Süß :D

Nach dem leckeren Eis suchten wir den Bahnhof auf und zockten uns ein Ticket nach Newtonmore. 10 GBP für uns beide, das sind ca 13 EUR. Happig. Aber gut. Schöner Bahnhof, weniger schöner Zug. Während der Fahrt, bei der leider immer nur einer von uns beiden sitzen konnte, perfektionierten wir die Kunst, uns unauffällig gegenseitig die Zunge rauszustrecken. Hach :D
Als wir schließlich als einzige in Newtonmore ausstiegen, fanden wir uns an einem winzigen Bahnhof ohne Bahnhofsgebäude wieder, etwas außerhalb vom Ort. Definiv Provinzfeeling :D Dort machten wir mit dem Zunge rausstrecken weiter, unterstrichen durch ein paar Schubser und Gekicher :D

Nach der Reorganisation der Rucksäcke - immerhin musste der neue Proviant verstaut werden, schwangen wir wieder die Hufe. Wo es genau hingehen sollte, wussten wir noch nicht. Um die Stadt führt weitläufig ein Rundwanderweg, genannt Wildcat Trail, insgesamt ca 12km lang. Der erschien uns am Idealsten, um schnell einen Zeltplatz zu finden. Als Ortsunkundiger ist es sonst schwierig, irgendwie in die Natur zu kommen ^^
Inzwischen war es dann wohl auch schon ca 6 und wir hatten gut einen gewissen Abend in Erinnerung, den wir nicht wiederholen wollten. Das Wetter war grau und nicht grad schön. Nach ca 2km trafen wir auf eine Brücke, die den Wildcat schneiden sollte. Der Wildcat stellte sich an dieser Stelle als ein schmaler Gänsemarschpfad zwischen hohem Gras heraus. Unter der Brücke floss ausserdem der River Calder, welcher ebenfalls ein felsiges Ufer hatte, wie damals in Drum auch. Da hatten wir gute Erinnerungen dran, also bewegten wir uns gut außer Sichtweite der Straße und bogen dann ins Flußbett ab. Inzwischen verwandelte sich der einsetzende Niesel immer mehr in Regen und die Wolken hingen tief und grau über den Bergen. Eine große Auswahl blieb uns also nicht. Entweder noch einige unbestimmte Zeit im Regen weiterlaufen und einen Platz suchen, oder auf Teufel komm raus den bestmöglichen Platz am Fluss nehmen. Das taten wir dann auch.

Der Calder war ein eher schmaler, schneller Fluß in seinem steinigen breiten Flussbett. Fast am Rand des trockenen Flussbetts befand sich eine grüne "Insel", umgeben von Steinen und bewachsen mit niedrigem Gras und ein paar Bäumen und Büschen. Von außen kaum einzusehen und als günstige Option erwählten wir diesen Platz als unser zu Hause für die nächsten Stunden, obwohl mir schon klar war, wie diese Insel entstanden ist - wenn der Fluss anschwillt, ist sie vom richtigen Ufer abgeschnitten (aber natürlich würde der Fluss das jetzt nicht tun).
Erst warteten wir unter einem Baum ab, ob der Regen aufhören würde, damit wir das Zelt aufbauen konnten. Das gaben wir dann aber auf und bauten das Zelt im Regen in Rekordzeit auf. Immerhin auch keine Midges. Gekocht haben wir auch nicht mehr.

Nachts wurde ich vom Regen verarscht. Ich wachte auf und meinte, Schritte vor dem Zelt zu hören. Starr vor Schreck lag ich da und strengte meine Ohren an. Immer wieder kam es mir so vor, als würde dort jemand stehen und hin und wieder auf der Stelle treten - abwartend und abschätzend. Nach einigen Minuten suchte ich leise nach der Taschenlampe, die einerseits einen harten Griff hat und andererseits einen etwaigen Eindringling sicher vertreiben würde, wenn man ihm unerwartet ins Gesicht leuchtet. Die Taschenlampe umklammernd lag ich einige Zeit im Schlafsack und hatte Schiss. Irgendwann schlief ich ein - wachte wieder auf, die Taschenlampe war weg. Panisch suchte ich nach ihr und schlief wieder ein, mit der rettenden Taschenlampe in der Hand. Bis zum Morgen hab ich sie festgehalten ^^

Mittwoch, 6.08.2008 - 11. Tag

In der Nacht hatte es durchgeregnet. Am Morgen auch. Am Mittag auch. Gegen Mittag bin ich mal aus dem Zelt, um zu gucken, wie es denn draussen aussieht, und zum Wasser im Fluss schöpfen. Der war ein bisschen breiter geworden, erregte aber nicht meine Sorge. So verbrachten wir dann noch ein paar Stunden im Zelt. Der Regen hörte nicht auf. Nach 4 wurde er ein wenig schwächer und wir verließen beide das Zelt, da wir die Gelegenheit nutzen wollten, mal was Warmes zu futtern.
Sobald ich den Kocher aufgebaut hatte, fing der Regen wieder richtig an. Yeah. Und der Calder war nun deutlich breiter geworden, bestand inzwischen schon aus zwei Flussarmen anstatt nur einem, und der Arm zwischen unserer Insel und dem Ufer begann Pfützen zu bilden. Ich war besorgt. Hatte Bilder im Kopf von Zeitungsmeldungen von 2 dummen Touristen, die bei Dauerregen auf einer kleinen Flußinsel campen und mit dem Zelt vom Wasser weggerissen wurden. Man hört ja da so einiges ;__;

Wir kochten und aßen eher ein bisschen bedrückt. Nervig waren die dicken Regentropfen, die in unseren leckeren Magic-Asia-Reis und die anschließende Suppe platschten.
Nach Essen und Abwasch beobachtete ich die langsam ansteigenden Pfützen, beäugte den Regen, lief hin und her und nutzte das Handy, um an eine Wettervorhersage zu kommen. Die Sache war die: wir fühlten uns beide nicht so richtig wohl auf dieser Insel. Es sah nicht so aus, als würde in ein paar Minuten die Sonne wieder rauskommen. Andererseits waren wir beide absolut nicht scharf darauf, in dem Regen das Zelt abzubauen und dann weiterzulaufen, möglicherweise kilometerlang nichts mehr zu finden und dadurch nichts zu gewinnen. Kurze Zeit dachte ich daran, in den Ort zu laufen und B&B zu suchen - aber es war schon nach 6, der Ort war einen Kilometer entfernt, und so richtig ultimativ erschien das alles nicht. So entschlossen wir uns schliesslich, den Platz nicht zu verlassen. Es würde schon nicht so viel regnen. Das Handy-Internet hatte uns nach einigem Suchen mitgeteilt, dass es am nächsten Tag nur eine 78%ige Regenchance gibt - heute 95%. So musste es ja dann besser werden. Über dem völlig durchnässten Außenzelt breiteten wir den blauen Müllsack aus, denn oben lief das Wasser schon kaum noch ab, und auf Wassereinbruch von oben in der Nacht hatten wir beide keine Lust. Von unten und den Seiten natürlich auch nicht, aber das lag nicht in unserer Hand.

Abends gegen 11 stand ich nochmal auf und inspizierte mit der Taschenlampe die Umgebung und den Wasserpegel.
Ich war wirklich ziemlich besorgt. In der Nacht davor hatte ich noch Schiss vor irgendeinem Menschen, in dieser vor Naturgewalten. Was, wenn es so stark weiterregnet, dass es eine Flutwelle geben würde? Wenn irgendwo ein Damm einbrechen würde? Sowas kommt vor !_!
Oft wachte ich auf und horchte, ob das Wasser lauter geworden war. Kam mir dann aber nicht so vor. Aber das ist auch keine Erfahrung, die ich gerne nochmal machen würde. So im Schlafsack liegen, sich vorstellen, wie Wasser das Zelt abreisst und mit sich schleift, wie wir drin versuchen, rauszukommen... Peh. Naja, Erfahrung gemacht, im nachhinein ganz abenteuerlich ^^


Morgens am Feensee. Spiegelglatt :A

Auch morgens am Feensee ^__^ | Zoom

Irgendeine Monsterraupe.. Gabs da öfters

Beim Aufstieg auf den Meall a' Bhuachaille | Zoom

Ebenfalls Gipfelbesteigung. Unglaubliches Glück mit dem Wetter ^__^

Und nochmal Blick auf die schottischen Highlands | Zoom

Saph und der große Rucksack auf dem Weg Richtung Himmel

Ausblick vom Gipfel auf 811m Höhe: Aviemore & Loch an Eilein | Zoom
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