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Samstag, 2.08. - Montag, 4.08.2008 (Tag 7-9)

Samstag, 2.08.2008 - 7. Tag

Saph hatte nichts gehört in der Nacht und ich war mir nicht mehr sicher, dass ich wirklich was gehört hatte. Saph zog mich mit meinem "Geister-Elch" auf :/
Nach unserem leckeren Frühstück fiel uns aber die aufgewühlte viele Meter lange Erdrinne direkt neben dem Zelt auf, die sich bis auf den nächsten Hügel zog. Da hatte sich irgendwas in der Nacht ziemlich ausgetobt.

Unspektakulär erreichten wir nach ca. 2h und einem kurzen Regenguss Loch an Eilein. Ein sehr schöner See, leider auch bei Einheimischen Wochenend-Ausflüglern beliebt. Wir kochten am Ufer des sehr klaren Sees unter Kiefern und setzten dann unseren Weg am See entlang fort. Im See thront auf einer kleinen Insel eine alte Ruine.

Die Landschaft wandelte sich im Laufe des Nachmittags erst in einen sehr dichten, tot aussehenden Kiefernwald und später in eine Heidelandschaft, in der die Farben lila, grün und grau vorherrschten. Den ganzen Tag trafen wir immer wieder auf klare Bäche, unsere Versorgung sah also gut aus ^^ Trotzdem war ich irgendwie gedrückter Stimmung. Ich weiss gar nicht mehr wieso, jedenfalls war der Tag nicht so erfüllt von Albernheiten und Hochgefühlen.

So entschieden wir uns auch gegen 5 oder 6 abends, unser Zelt direkt oberhalb des Wegs zwischen niedrigen Heidebüschen aufzuschlagen, obwohl wir damit rechnen mussten, dass noch ein paar Leute vorbei wandern, laufen, joggen oder radfahren. War ja einiges los tagsüber an dem See. Hatten aber Glück, denn wir waren von der See-Route ein paar Meter auf einen abzweigenden Weg gelaufen.

Weniger Glück hatten wir mit anderen abendlichen Besuchern: den Midges. Diese fiesen Biester hatten uns bis dahin weitgehend verschont, kamen jetzt aber wie die Heuschrecken über uns.
Midges sind winzige Fliegenviecher, so groß wie bei uns Obstfliegen ca. Nur: sie stechen. Und es gibt nicht nur einzelne davon wie bei Stechmücken, sondern sie sind in Schwärmen unterwegs. Beim Laufen hat man seine Ruhe, aber sobald man 2 Minuten sitzt, werden es immer mehr und sie krabbeln einem auf der Haut rum, es kitzelt und juckt und sticht. Mich machte das fast wahnsinnig. Man kann sie nicht verscheuchen, sie setzen sich einem auf die Hand oder krabbeln einem unter die Haare. Immer, wenn man sich über das Gesicht wischt, hat man hinterher ein paar Midgeleichen an der Hand. Das ist wirklich Horror.

Aus dem Grund verzogen wir uns auch direkt nach dem Kochen und einem Tee ins Zelt, wo wir unsere Ruhe hatten zum Glück. Trotzdem schade um einen eigtl. schönen Abend. Saph, der Navigator, navigierte uns mit Routenkarten und der Detailgebietskarte eine schöne Tour zusammen, die gleich mehrere der im Buch beschriebenen Wanderungen zusammenfasste. Es sollte also am nächsten Morgen den abzweigenden Weg, auf dem wir uns sowieso schon befanden, Richtung Osten weitergehen bis zu Loch Morlich, einem größeren Freizeitsee. Dort wollten wir den Aussichtsgipfel Meall a' Buchaille besteigen.

So zockten wir den Rest des Abends Saphs "Durak"-Spiel, das er natürlich immer gewann und legten uns schließlich pennen. Ich habe btw vergessen zu erwähnen, dass wir eigentlich jeden Tag mindestens eine meistens größere Spinne im Zelt hatten, und das, wo wir beide doch so unglauuuubliche Spinnenfans sind ;__; Am Fluss krabbelte mal ein Weberknecht an Saph hoch, ich bemerkte sie erst, als sie schon am T-Shirtkragen saß.. Kurz herrschte Panik, bis wir sie von Saph wieder runtergekriegt hatten >_>

Sonntag, 3.08.2008 - 8. Tag

Der Morgen begann, wie der Abend aufhörte. Die Midges waren noch da. Das war gegen die Naturgesetze, laut unserem schlauen Buch wussten wir, dass Midges Sonne nicht mögen und am Liebsten abends erscheinen. Aber gut, dann mussten wir uns eben mit diesen Ausgeburten der Hölle herumschlagen und bauten fluchend das Zelt ab. Saph hatte in unserer Rollenverteilung das schlechtere Los gezogen: es hat sich eingebürgert, dass wir zusammen innen alles zusammenpacken, er dann rausgeht und alles in die Rucksäcke stopft, während ich drinnen den Dreck zusammenfege. So durfte er vor Midges davonrennen, während ich gechillt die Putzfrau spielte.

Und so flüchteten wir in einen wunderschönen Morgen, ohne Frühstück. Wie immer dachten wir, dass wir "später" halt frühstücken werden, wenn keine Midges mehr da sind, die ja sowieso eigentlich nicht in der Sonne existieren können, elende Brut. Wenn wir das so angehen, wird das natürlich nichts ^^

Der Tag war aufs Edelste sonnig, lilane Heide dominierte die schöne Landschaft und am Horizont thronten majestätisch die Cairngorm-Gipfel. Auf die wir uns ja nun zu bewegten.

Nach ca ein-zwei Stunden allerdings mussten wir die schöne lila Landschaft schon verlassen, es ging über eine Brücke über den goldenen Fluss. Der heisst nicht so, aber er ist es ^^ Die Steine am Grund leuchteten in der Sonne strahlend golden. Leider nicht lange, den Wolken waren aufgezogen und brachten auch ein wenig Regen mit. Wer mich kennt - ok, das sind nicht viele - weiss, dass ich es absolut gar nicht haben kann, dem Regen ungeschützt ausgesetzt zu sein. So war ich auch eher nicht so richtig ansprechbar, als wir uns durch den leichten Regen langsam weiterquälten. Die Stimmung erlitt endgültig einen Tiefschlag, als wir an einer Biegung des Baches ankam, der ein unheimlich schöner Platz zum Rasten gewesen wäre. Wir packten unter einem Baum unsere Kochsachen aus, einigermaßen geschützt vor dem Regen. Aber nicht vor den Midges. Kreischend und schimpfend rannte ich weg, fuchtelte in der Luft rum, stampfte auf den Boden und packte fluchend alles wieder ein, denn bei dieser Plage kann man einfach nicht lange sitzen.
Die Stimmung kam also irgendwie nicht richtig hoch, und in brütendem Schweigen und im Regen stapften wir weiter.

Irgendwann hörte der Regen auch wieder auf und wir marschierten durch die 8000 Jahre alten Überreste des früheren schottischen Urwalds. Man merkt wirklich, wie alt dieser Wald war - umgestürzte Bäume und Steine waren derartig von Moos überwuchert, dass man wohl bis zu den Knien erstmal einsinken würde, wenn man es wagen sollte, den Weg zu verlassen. Das wagten wir uns eher nicht, und die Midges, die uns in jeder Pause überfielen, trieben uns weiter.

Endlich kamen wir gegen 4 am Loch Morlich an. Leider waren auf dem Weg, der auch nicht besonders schön war, einige Leute unterwegs und selbst der See selbst war rege von Kanufahrern und anderen Sportlern besetzt. Da wir für diesen Tag genug hatten und noch immer unser Frühstück ausstand, machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Platz. Den fanden wir schließlich unterhalb des Wegs direkt am Wasser. Wir testeten die Stelle ein paar Minuten auf Midges und wurden vorerst verschont, daher befanden wir den Platz als optimal. Sehr schön war er nicht, aber essen und schlafen hat noch niemand geschadet ^^

Die Midges kamen dann natürlich doch. Zu Hauf und aggressiv besetzten sie uns ohne Unterlass. Zusammen mit dem wieder einsetzenden Regen strapazierten sie unsere Nerven aufs Äußerste. Gegessen haben wir im Gehen - 10m laufen, umdrehen, 10m zurück, umdrehen, usw - da es nicht möglich war, an einer Stelle zu bleiben. Es gab lecker Tortellini, aber in meiner Wut über die Midges hätte ich das Essen lieber nach den Midges geworfen, wenn es was gebracht hätte.

Nachdem wir uns ins Zelt geflüchtet haben und erstmal panisch unsere Gesichter rieben wegen dem Juckreiz, spürten wir, dass die ganz hügelig geworden waren. Obwohl ich immer versuchte, die Midges zu verscheuchen, ist es einigen doch gelungen, mein lecker Blut zu saugen. Saph hatte T-Shirt und kurze Hosen an... Wie seine Arme und Beine aussahen, kann man sich vorstellen.

Im Zelt schrieb ich am Tagebuch weiter und Saph zeichnete den gelben Joker aus dem Standard-Pokerkartensatz. Bekam er auch richtig gut hin, siehe Foto rechts ^^ Danach gab es noch gemeinsames Headbangen zu MP3-Playermusik :D
Abends stieg ich nochmal schnell aus dem Zelt und bekam die Gelegenheit, ein sehr schönes Foto vom letzten Sonnenlicht über dem See zu machen.

Yeah, und so war auch dieser Tag schon zu Ende. Am nächsten Tag wollten wir es bis zum Fuß des Berges schaffen, den wir besteigen wollten. Kein Problem, das waren viel weniger als 10km. Wir haben ganz schön nachgelassen :D

Montag, 4.08.2008 - 9. Tag

An die Nacht und den Morgen erinnere ich mich kaum noch. Nur dass ich endlich mal Müsli mit Milchpulver essen konnte ^^

Den Schlafplatz haben wir ohne Tränen in den Augen verlassen, wie gesagt war es nicht wirklich richtig schön dort, also dackelten wir weiter am See entlang. Da es sich um einen Touristensee handelt, mit großem Campingplatz am einzigen "Ort" dort, Glenmore Village, gab es dort jede Menge ausgewiesene Wanderwege, auf denen wir uns gründlich verirrten. SO hoch aufgelöst war unsere Landranger Map auch nicht und die genauere Routenbeschreibung in einem unserer Bücher brachte uns nur zu einem Umweg von ca einem Kilometer oder etwas mehr. Aber was solls, die Gegend war trotzdem schön :D
Einmal standen wir an einer Abzweigung und waren nicht ganz sicher, wo wir hinsollten, da starrte Saph plötzlich auf einen Punkt hinter mich, machte ein entsetztes Gesicht und rief "Setz den Rucksack ab, setz den Rucksack ab!" Aufgrund meiner strengen Ausbildung im SWAT-Lager ... oder so ähnlich, hab ich natürlich sofort geschnallt und das Ding von mir geworfen und mich umgedreht. Die Spinne oben drauf war ziemlich dick und hässlich... Puah ;__;

Nun gut, wir setzten über einen weiteren wunderbar klaren schnellen Bach und erreichten dann endlich irgendwann um ca 3 Glenmore Village. Dort gibt es den erwähnten Campingplatz, ein Visitor Center, ein Rentier-Center, 1-2 Hotels, einen winzigen Laden und ein angrenzendes winziges, aber gemütliches Amateurkaffee. Na und ein paar wenige Privathäuser am Berghang. Wir jedenfalls enterten mal wieder erst den kleinen Lebensmittelladen und fassten Proviant. Anschließend kamen wir leider nicht drumrum, auch in das Kaffee reinzuschauen, wo zwei alte Hutzelweibchen in einer kleinen zusammengepuzzleten Küche alle möglichen Snacks, Kuchen und Getränke feilboten.

Das Kaffee war süß eingerichtet, die Wände waren mit Postkarten und Souvenirs aus allen möglichen Ländern bedeckt, darunter ein deutsches Rezept für Apfelstrudel in omagerechter altdeutscher Schrift. Entsprechend gab es auch heißen "Apple Strudel" zu kaufen, was ich mir auch gleich gegönnt hab. Parallel gabs den ganzen Tag über schottisches Frühstück, was ich gerne gegessen hätte, aber ich war dazu zu geizig.
Saph futterte erst ein riesiges Schokoladenteil mit Cornflakes drin und anschließend machten uns Fish & Chips so an, dass wir die auch noch mitnehmen mussten.

Als wir uns schließlich auf den Weg machten, nieselte es wieder und das Wetter war allgemein grau und nicht sehr schön. Trotzdem - es ist gut, unterwegs zu sein, und die Landschaft war auch fein. Die ersten Kilometer kamen uns noch einige Leute entgegen, unter anderem ne Mutter mit Kinderwagen -.- Als wir schließlich zu unserem Ziel für heute kamen, dem Feensee, (der so heißt, weil nachts Feen ihre Wäsche dort waschen), war zum Glück nicht mehr so viel los.

Der Feensee. Ich glaube, schöner kann es kaum sein, klares grünblaues Wasser, geschmiegt an einen Felsrutsch und umrundet von sandigem Ufer. Wirklich wunderschön, ich dachte so ein bisschen an Karibik. Obwohl ein paar Leute dort rumhingen, waren wir uns sofort einig, dass wir hier die Nacht verbringen würden, auf dem Sandufer direkt am See. Nachdem die paar anderen Leute weg waren und der Regen wieder einsetzte, bauten wir unser Zelt mal wieder auf. Leider kamen die Midges wieder auf, es war wirklich abartig. Miese Bande... Das wäre genau die richtige Kulisse gewesen, um den Abend gechillt am See zu verbringen und dabei locker nen Wein zu trinken. Mal davon abgesehen, dass wir keinen Wein hatten, haben diese Biester uns das ein bisschen gründlich vergällt.

Das regnerische Wetter hatte mich auch noch ein bisschen deprimiert. Macht einfach wenig Spaß, bei Niesel rumzulaufen, und ich befürchtete, dass es am nächsten Tag auch noch so wäre, wenn wir auf den Berg steigen... Es sollte Aussicht geben, und für Wolken und Regen tut man sich das ja nicht an ^^
Naja, dafür gibt's ja Kartenspiele, mit denen wir uns die Zeit im Zelt vertreiben konnten. Und das war dann der Tag schon wieder, eher ereignislos.


Schottisches Highlandrind

Bach an irgendeinem kleinen Loch bei Loch an Eilein.

8. Nacht mitten in der Heide, links von Mitte unser Zelt | Zoom

Unterwegs bei schönstem Wetter | Zoom

Monströs oO Direkt am Wegrand. Wie siehts dann erst mitten im Wald aus?

Schottische Heide, Wetter und Aussicht ftw | Zoom

Saphs gezeichneter Joker :A

Loch Morlich abens bei leichtem Regen <3 | Zoom

Der Feensee
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