Während mir das Lesen in der 1. Klasse noch schwer fiel und ich das mehr als schwerfällige Notwendigkeit ansah, wandelte sich meine Meinung dazu grundlegend in der 2. Klasse. Ich bekam ein Buch geschenkt: "Latte Igel", 200 Seiten dick, kaum Bilder und mit einem matten, festen Einband. Das war die erste richtige Bucherfahrung - ich tauchte ein in die tierische Märchenwelt in Norwegen, traf auf Bären und Bisamratten, fuhr auf Schiffen, rettete den Wasserstein und las gespannt mit roten Backen, wie Latte der Igel sich tief in eine Raubtierhöhle wagte. Das war der Anfang einer langen "Lesekarriere" und zugleich auch bezeichnend für einen meiner Buchgeschmäcker: Fantasy.

In dieser Rubrik stelle ich dem geneigten Leser einige Bücher vor, zusammen mit einer Kritik und meiner persönlichen Wertung. Optimalerweise aktualisiere ich diesen Teil meiner Webseite regelmäßig, so dass es hier immer wieder Neues zu sehen gibt.

Die letzten Jahre lese ich am Liebsten Fantasy, historische Romane und Science-Fiction - um mal ganz simpel die Oberbegriffe zu nennen ^^ Dementsprechend wird es hier vermutlich vor allem Reviews zu diesen Genres geben.

Alphabetische Autorenübersicht

Bücherübersicht


Viola Alvarez
Das Herz des Königs
Hist. Roman


Viola Alvarez
Die Nebel des Morgens
Hist. Roman


Isaac Asimov
Die Stahlhöhlen
Sci-Fi


Isaac Asimov
Der Aufbruch zu den Sternen
Sci-Fi


Isaac Asimov
Das galaktische Imperium
Sci-Fi


Isaac Asimov
Die frühe Foundation-Trilogie
Sci-Fi


Isaac Asimov
Die Rückkehr zur Erde
Sci-Fi


Iain Banks
Die Sphären
Sci-Fi


Ken Follett
Die Tore der Welt
Hist. Roman


Margaret George
Maria Stuart
Hist. Roman


Stephen King
Love
Thriller/Horror


Dean Koontz
Der Geblendete
Thriller


Hans Graf von Lehndorff
Ostpreußisches Tagebuch
Nachkriegs-Erinnerungen


Henri Perruchot
Van Gogh
Biographie


Bernhard Schlink
Der Vorleser
Aufarbeitung


Dan Simmons
Olympos
Sci-Fi


J.R.R. Tolkien
Das Silmarillion
Fantasy


Carlos Ruiz Zafón
Der Schatten des Windes
Roman


Claudia Ziegler
Die Favoritin des Königs
Hist. Roman

Um eine gewisse Übersicht zu behalten, werden die Bücher nach Autoren sortiert, egal welchem Genre sie angehören.

Und hey: es gibt noch immer die Browser-Suchfunktion. Drück "Strg + F" und eine Suchmaske geht auf. Suchst du nach was Bestimmten, zB. nur Fantasy-Bücher, gib den Begriff "Fantasy" ein und die ganze Seite wird nach diesem Wort abgesucht.

Meine persönliche Wertung ist natürlich subjektiv und beruht absolut auf meiner eigenen Meinung. Ich berücksichtige dabei die Story und deren Verlauf, den Schreibstil des Autors und als besonderes i-Tüpfelchen, ob das Buch einen stellenweise auch mal zum Schmunzeln bringen kann.

Das Herz des Königs

Historischer Roman / Sage
Untertitel: Das schöne und traurige Leben von Marke Herrscher zu Tintâgel von ihm selbst erzählt
Erstauflage: August 2005
Seitenanzahl: 511
Stichwort: Tristan und Isolde, Sage
Review online seit 16.02.2009

Inhalt. Dieses Buch befasst sich mit der dramatischen Sage "Tristan und Isolde" - von der sicher jeder schon mal gehört hat, handelt jedoch nicht vorrangig von diesem Thema. Vielmehr wendet sich die Autorin dem gehörnten Ehemann von Isolde zu, König Marke von Cornwall und lässt ihn auf seinem Sterbebett sein ganzes Leben erzählen.
Tristan und Isolde kommen erst spät ins Spiel, und hier wird der Mythos um die unsterbliche Liebe der beiden roh zerschlagen. Isolde ist ein naives Kind, Tristan ein musikalischer Draufgänger, und von unsterblicher Liebe kann hier keine Rede sein. Dafür wird mehr auf die Rolle von Isoldes Zofe Brangaene eingegangen, die ihre Finger bedeutend mit im Spiel hat ^^

Kritik. Mit großer Erwartung habe ich mir nach "Die Nebel des Morgens" ein zweites Buch von Viola Alvarez gekauft - umso schwieriger ist es dann natürlich, die hohen Erwartungen erfüllt zu bekommen. Das Herz des Königs ist leider unter den Erwartungen geblieben, aber davon abgesehen trotzdem eine schön geschriebene Biografie mit gelegentlich kleinen Ausflügen in Richtung der Genialität von Die Nebel des Morgens. Es fällt mir schwer, dieses Buch ohne Vergleiche nur für sich allein zu betrachten.
Die Charaktere müssen hier ohne liebevolle Macken auskommen, wie sie noch in Nebel des Morgens präsentiert wurden. Das ist sehr schade - aber auch ohne dieses i-Tüpfelchen haben wir hier einen Roman mit lebendigen Figuren, deren Namen und Schicksale wir uns merken, und hin und wieder scheinen ähnlich geniale Wendungen durch wie in Nebel des Morgens. Ein Beispiel im Zitat :D

Wertung. 4 Sterne
Alles in allem ein schöner historischer Roman.

Das Herz des Königs - Zitate

König Marke empfängt die aus Irland zu ihrer Hochzeit anreisenden Isolde und ihre Begleitung. Marke ist schockiert darüber, wie hager und blass Isolde, deren Schönheit viel besungen wurde, aussieht.
"Ich zwang mich in königlicher Würde, ihr etwas Freundliches zu sagen. "Euer Haar ist wirklich ganz genau so, wie die Dichter sagen, Teuerste", brachte ich so mit halbherziger Bemühung heraus. "Wie gesponnenes Gold". Diese Zeile kam in einem Kehrreim der Lieder über sie vor, und ich hatte sie im Gedächtnis behalten, weil mir das Bild als solches gefiel.
"Ach ja, na, ich muss ja nicht selber spinnen, und meine Mutter meint, ich hätte ungeschickte Finger, aber das mit der Harfe macht mir Spaß. Huch! Na so was, jetzt bin ich in was getreten", sagte meine Zukünftige, und ich ging in stiller Verzweiflung weiter."

Die Nebel des Morgens

Historischer Roman / Sage
Untertitel: Verbotene Erinnerungen des letzten Nibelungensohns
Erstauflage: August 2006
Seitenanzahl: 699
Stichwort: Nibelungenlied, Sage
Review online seit 6.07.2008

Inhalt. Europa im späten fünften Jahrhundert. Ein nordländischer Skalde wird von zwei Soldaten aus Island entführt und nach Süden verschleppt. Der Mann ist anscheinend verrückt, er hat seit zwei Jahren kein einziges Wort mehr gesprochen. Aber für den Auftraggeber dieser Entführung, einen machtgierigen, aber minderen Burgunderkönig am Rhein, ist er wertvoller als pures Gold. Denn der trotzige Verstummte ist Bryndt Högnisson, Sohn berühmter Eltern, das einzige Kind der längst verstorbenen Königin Brynhild und ihres Liebhabers: Hagen von Tronje. Bryndt ist der Einzige, der die Wahrheit kennt - die Wahrheit über die namenlose Tragödie im Hunnenland. Den Untergang der Nibelungen. (Original-Text Buchrücken). Im Laufe des Buches erzählt Bryndt dem Leser genau diese Wahrheit. Wie alles begann, als Siegfried nach Norden reiste, um für König Gunther eine Frau zu suchen, und wie alles endete.

Kritik. Die Nibelungensage, ursprünglich voller Drachen, Zwerge, Götter, Mythen. Darum gehts hier weniger (hab auch DIESE Bücher gelesen, sie sind geil ^^), sondern einfach nur um die bekannten Personen in Worms am Rhein, anders beleuchtet.
Das Besondere an diesem Buch, das ein nur zu bekanntes Thema wieder hoch holt, ist die Erzählweise, die Sprache und die andere Sicht auf die Dinge. Siegfried der Held, der Unbesiegbare, heisst es immer, und Brynhild, die kühle Königin aus dem Norden, stärker als jeder Mann. Woher kommen diese Legenden? Hier in diesem Buch geht es um die Geschehnisse, wie sie gewesen sein könnten, ganz ohne Magie und Götter. Das, was passiert, wird später zu Legenden, aber hier gibt es einen Blick hinter die Kulissen, auf diese Menschen und ihre tragischen Schicksale. Hier ist Siegfried ein prollender Aufschneider, kein Held - einer der lügt und betrügt und dafür von jemanden hingerichtet wird, der sonst überall nur als hinterlistiger Mörder dargestellt wird. Kriemhild ist ein meist hysterisches Mädchen, das nie eine Chance hatte, anders zu werden als sie ist. Brynhild, die fremde einsame Frau aus dem Norden wird mit einem fremden König verheiratet, der Angst vor ihr hat und dessen Sprache sie nicht spricht. Hagen von Tronje ist hier sowas wie die Hauptperson - und eigentlich überhaupt die einzige Person, die irgendwie eine Peilung hat :D
Das ist nämlich imo der zweite Aspekt. Die Erzählform zieht einen nicht nur in diese glanzvolle Story rein, sondern bringt einen teilweise auch zum Lachen. Wenn Gunther, der arme unfreiwillige König mal wieder nicht weiss, was zu tun ist und auch keine Lust auf das ganze Theater hat ruft er maulend nach Hagen, seinem treuesten Berater, der sich um die hysterisch kreischende Krimhild kümmern soll. Hier wird immer wieder mal auf das "Kleine" Wert gelegt. Krimhild tickt aus, Brynhild bewirft Hagen mit Vasen, Gunther hat Bauchgrimmen und Hagen schnauzt den armen Priester an. Und das alles so selbstverständlich hingesagt.
Neben all den Kleinigkeiten wird man aber immer wieder zurück in die Geschichte gelenkt, und wer die Nibelungensage halbwegs kennt, wird immer wieder Kleinigkeiten erkennen. Das alles wird aus der Sicht des letzten Nibelungen erzählt, ein Skalde, der zu Lebzeiten der Hauptfiguren noch gar nicht geboren war, der aber immer wieder glaubhaft versichert, dass er alles weiss, was passierte. Immer wieder weist er auf die Tragik seiner Ahnen hin und wie unvermeidlich alles war. Und so gibt es neben dem oben erwähnten Lachen auch ein Weinen.

"Bryndt Högnisson" erzählt die Geschichte, die keinen Anfang und kein Ende hat, vom Anfang bis zum Ende. Und er versteht was davon - Skalden sind nordische Geschichtenkenner - Weise, die die Vergangenheit kennen und darüber erzählen.

Wer sich halbwegs für dieses Thema interessiert oder auch nur Interesse an nem historischen Roman hat, sollte sich das Buch unbedingt mal greifen ^^

Wertung. 5 Sterne
Fünf Sterne für ein perfektes Buch.

Die Nebel des Morgens - Zitate

Am Morgen des ersten Tages im Krieg gegen die Sachsen: Hagen ist krank und kann nicht führen.
"Ihr, Ihr Fremden, die Ihr mich hört, Ihr mögt euch an dieser Stelle meiner Erzählung nicht sonderlich beunruhigen. Ihr wisst, Herr Hagen lebte weit über diesen Tag hinaus. Aber Dankwart, der bei ihm saß, der tapfer genug war, nicht in die Schlacht zu ziehen, sondern für einen Kranken ein Lied zu singen - der wusste es nicht. Er sah an diesem bedrohlichen Morgen nur einen todkranken Mann. Und dieser Kranke, sonst so verschlossen, wollte auf einmal von seiner Heimat sprechen und wünschte sich ein Lied voller Erinnerungen. Und wenn Ihr Acht gegeben habt, dann wisst Ihr noch, dass Herr Hagen keiner war, der leichtfertig Rede von seiner Vergangenheit führte. Im Gegenteil."

---

Siegfried bringt Brynhild mit dem Schiff nach Worms, um sie König Gunther zu übergeben. In Worms wartet Krimhild auf Siegfried, ihren Verlobten.
""Herr Siegfried kommt wieder", raunte der Bedienstete. "Siegfried!" gellte der kleine Gieselher begeistert. Krimhild erschien im Hof, bevor ihr kleiner Bruder zur Hälfte angezogen war. "Was machst du denn hier?" maulte Gunther, unglücklich auf dem nervösen Pferd. "Ich gehe mit zum Steg", sagte Krimhild gepresst, in den Augen ein irres Leuchten. "Gehst du nicht, du gehst wieder weben oder sonst was", brummte Gernoth. "Mein zukünftiger Mann ist auf diesem Schiff", hob Krimhild unkleidsam die Stimme. "Ich gehe mit!". "Hagen", jammerte Gunther, "Krimhild will mit zum Anleger." Hagen, noch nicht aufgesessen, bahnte sich seinen Weg durch die Reihen der frohen Soldaten. "Jungfer Krimhild", sprach er wohl zum ersten Mal Gibichs Tochter an. Die zuckte zusammen, als hätte er sein Schwert gegen sie gezogen. "Ihr könnt nicht alleine mit uns zum Steg reisen.", erklärte Hagen mit seiner üblichen Bestimmtheit. "Das schickt sich nicht." Damit nickte er ihr zu und wandte sich wieder ab. "Doch", quiekte Krimhild in dieser aufdringlichen Tonlage, "mein Mann ist auf diesem Schiff", wagte sie sich einen Schritt weiter vor. "Ich will ihn begrüßen." "Seit wann seid ihr denn schon verheiratet", spottete Gernoth, der nicht fassen konnte, wie seine Schwester mit Hagen geredet hatte. "Ich will ihn begrüßen", kreischte Krimhild da, ein Mal, zwei Mal, drei Mal, geriet in den gleichen wütenden Stupor, in dem sie noch ein paar Jahre zuvor verkündet hatte, keinen "blöden blöden Mann" jemals haben zu wollen. Hagen ließ sie ausschreien und sah sie, wie sie da zitternd und bleich stand, ungläubig an. Dann schüttelte er kurz den Kopf und sagte finsterer denn je: "Weckt Eure Mutter, sie und ihre Frauen müssen euch begleiten." Bis zwanzig Frauen und eine Königin angekleidet sind, Ihr Fremden, dauert das so seine Zeit, deswegen war kein Mensch am Steg außer dem Wachposten, als Siegfrieds Schiff voller Schwerter tatsächlich anlegte."

Asimov's Foundation-Zyklus ist eines der bekanntesten Werke der Science-Fiction. Er besteht aus insgesamt 10 Bänden, von denen ich hier einige vorstellen möchte.

Der Zyklus zeichnet die Geschichte der Menschheit von der Erfindung des positronischen künstlichen Gehirns (in "Meine Freunde, die Roboter", Band 1) bis in die Zukunft in über 20.000 Jahren ("Die Rückkehr zur Erde", Band 10). Der Leser wird Zeuge davon, wie sich die Menschen mit Hilfe von Robotern in der Galaxis ausbreiten, ein galaktisches Imperium bilden und danach die Foundation als Gipfel einer soziologischen Wissenschaft - der Psychohistorik - die neue Macht wird und die Menschen aus dem Chaos nach dem Zusammenfall des ersten Imperiums wieder vereint.

Asimov's Robotergeschichten, von denen nur die Kurzgeschichtensammlung "Meine Freunde, die Roboter" zum Foundation- Zyklus gezählt wird, sind sehr bekannt und vor allem die grundlegenden drei Gesetze der Robotik, die Asimov dazu formulierte, wurden auch in vielen weiteren Geschichten anderer Autoren aufgegriffen.
Weiterhin wurden Themen aus Asimov's Robotergeschichten in Kinofilmen aufgegriffen, zB. "Ich, der Roboter" mit Will Smith oder "Der 200 Jahre Mann" mit Robin Williams.

Die drei Gesetze der Robotik

1. Ein Roboter darf keinem Menschen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, daß einem Menschen Schaden zugefügt wird.
2. Ein Roboter muß jedem Befehl eines Menschen gehorchen, sofern dies nicht im Widerspruch zum ersten Gesetz steht.
3. Ein Roboter muß seine Existenz erhalten, sofern dies nicht im Widerspruch zum ersten oder zweiten Gesetz steht.

Die Stahlhöhlen

Science-Fiction
"Untertitel": Foundation-Zyklus Teil 2 / Zwei Romane: Die Stahlhöhlen; Die nackte Sonne
Erstauflage: 1957
Seitenanzahl: 552
Stichwort: Foundation, Zukunft, Roboter
Review online seit 8.06.2009

Hintergrund. In diesem Buch legt Asimov den Grundstein zu allen seinen späteren Foundation-Romanen.
Die Geschichte spielt etwa im Jahr 5300, die Menschen auf der Erde leben zusammengedrängt, ohne großen Luxus, aber in Abhängigkeit ihrer beruflichen Ränge und den damit verbundenen Privilegien in riesigen Cities unterirdisch auf der Erde. Seit Generationen haben die Menschen ihre Cities nicht mehr verlassen, sie haben sogar Angst vor dem freien Himmel, Sonne oder Wind. Gegensätzlich zu dieser Lebensweise treten die Spacer auf, Nachfahren von früheren Erdenmenschen, die Jahrtausende zuvor andere Planeten besiedelt haben, und die sich nun gegen die Erde und ihre zusammengedrängten Bewohner gewendet haben.

Buch 1: Die Stahlhöhlen. Ein Spacer wurde ermordet und der Mörder konnte nur ein Erdenmensch sein - eine gefährliche Krise für die Erdenregierung. Sie setzen einen fähigen Ermittler ein, Elijah Baley, der mit Hilfe eines humaniformen Spacer- Roboters den Fall aufklären soll.

Kritik. Ein fantastischer Science-Fiction-Krimi. Normalerweise bin ich kein Fan von Krimis, doch hier fügt sich dieser hervorragend in ein alptraumhaftes Zukunftsszenario ein. Das Buch ist spannend und teilweise humorvoll geschrieben und der Leser wird wunderbar mit den Gesetzen der Robotik und deren Grenzen konfrontiert.

Wertung. 4 Sterne
Ein Klasse-Buch +

Buch 2: Die nackte Sonne. Dieses Buch knüpft direkt an die Geschehnisse aus "Die Stahlhöhlen" an. Nachdem Elijah Baley den Mordfall im Vorgänger bravourös gelöst hat, wird er von der Regierung Solarias, einer Spacer-Welt, berufen, um auf dieser Welt ebenfalls einen Mordfall aufzuklären. Niemand konnte den Mord verübt haben außer die Frau des Ermordeten, und diese beteuert ihre Unschuld.
Baley muss seine heissgeliebte Erde verlassen und betritt eine Welt, die gegensätzlicher nicht sein kann. Er muss sich mit einer völlig anderen und ihm unverständlichen Lebensweise auseinandersetzen und einen Fall lösen, ohne zu wissen, wie die Solarianer überhaupt leben. So stolpert er von einem Fettnäpfchen zum nächsten und muss damit klarkommen, dass die Solarianer sich nicht wie die Erdenmenschen unter der Erde verkriechen, sondern luftige Räume und die freie Natur lieben. Für jemand, der niemals im Leben den Himmel gesehen - und panische Angst davor hat, ohne Dach direkt dem Weltraum ausgesetzt zu sein, eine absolute Horrorvorstellung.

Kritik. Das Buch knüpft nicht nur inhaltlich an den Vorgänger an, sondern auch in dessen Genialität. Wieder ein ausgefeilter Mordfall, ohne dass Langeweile aufkommt. Dafür ist die beschriebene Lebensweise der Solarianer mit ihren Robotern einfach zu krass.

Wertung. 4 Sterne
Hervorragend +

Der Aufbruch zu den Sternen

Science-Fiction
"Untertitel": Foundation-Zyklus Teil 3
Erstauflage: 1983
Seitenanzahl: 557
Stichwort: Foundation, Zukunft, Spacer, Roboter
Review online seit 8.06.2009

Inhalt. Dies ist der dritte Elijah-Baley-Roman, direkter Nachfolger von "Die Stahlhöhlen" und "Die nackte Sonne".
Elijah Baley's Lebenseinstellung zum Leben hat sich nach seinem Aufenthalt auf Solaria grundlegend verändert. Er ist der Meinung, dass die Erdenmenschen wieder Siedler in den Weltraum schicken sollten, um neue Planeten zu besiedeln, und er selbst leitet eine Gruppe von Interessierten, die sich wöchtentlich treffen, um unter freiem Himmel in der Natur Zeit zu verbringen.
Wieder tritt eine Spacer-Regierung an ihn heran, um einen schwierigen Fall aufzuklären. Auf Aurora, der ersten Spacer-Welt, wurde ein Roboter mental zerstört, doch der einzige, der dazu fähig wäre - der beste Roboterexperte und gleichzeitig Eigentümer und Erschaffer des zerstörten Roboters - bestreitet die Tat. Sollte ihm jedoch nachgewiesen werden, dass er schuldig ist, würde die Erde einen Gönner verlieren, der sie beim Besiedeln neuer Welten unterstützen würde. So steht Baley unter ernormen Druck. Zum Glück erhält er wertvolle Unterstützung von früheren Bekannten.

Kritik. Wieder ein "Mord"fall, der verwickelter nicht sein könnte. Teilweise fast zu verwickelt, es scheint nahezu unmöglich, wie Baley unglaubliche Vermutungen aufstellt. Leider laufen die Ermittlungen teilweise zu sehr ins Politische, so dass die Motive für den Normalmenschen fast nicht mehr greifbar sind, doch die Interaktion mit Baleys Robotern und sein Wirken auf einem Planet mit fremder Lebensweise machen das fast wieder wett.

Wertung. 4 Sterne
Trotz aller Genialität ein wenig zu abgehoben, dennoch genial.

Das galaktische Imperium

Science-Fiction
"Untertitel": Foundation-Zyklus Teil 4
Erstauflage: 1985
Seitenanzahl: 537
Stichwort: Foundation, Zukunft, Spacer, Roboter
Review online seit 8.06.2009

Inhalt. Die Story beginnt 200 Jahre nach dem vorherigen Band, "Der Aufbruch zu den Sternen", und knüpft an dessen Geschehnisse direkt an. Die Erdenmenschen haben endlich durch Baleys Erfolge eine zweite Welle von Siedlern zu neuen Planeten ausgeschickt. Die erste Welle war bereits vor Jahrtausenden ins Stocken geraten, da die Nachfahren dieser ersten Pioniere, die Spacer, dekadent und äußerst langlebig wurden, sich mit einer Vielzahl von Robotern umgaben und verächtlich auf die Erde und ihre Bewohner schaute und sie schließlich sogar unterdrückten.
Nun besiedeln die Erdenmenschen immer weitere Planeten, was von den Spacern mit Argwohn beobachtet wird. Sie befürchten, dass sie irgendwann ihrerseits von den Siedlern unterdrückt werden und ersinnen nun Pläne, weitere Besiedelungen durch die Erdenmenschen zu stoppen. Eine der ihren, Gladia, sowie ihre beiden Roboter spielen jedoch dabei ihr eigenes Spiel.

Kritik. Ein herausragendes Buch von Asimov. Keine Kritik meinerseits. Es wimmelt von überraschenden Wendungen, intelligenten Gesprächen, einer interessanten und bunten Story und sogar ein wenig Roboterphilosophie. Ohne ein wenig Philosophie kommt Asimov wahrscheinlich einfach nicht aus: die beiden Roboter Gladias sind an die drei Gesetze der Robotik gebunden und stoßen im Verlauf dieser Story immer wieder an deren Grenzen. Es macht riesigen Spaß, sie dabei zu beobachten, wie sie sich auf ihre merkwürdige umständliche höfliche Weise darüber unterhalten und wie sie in Grenzsituationen reagieren. In diesem Buch gibt es - für mich - nichts Trockenes und Langweiliges, ich habe wirklich jede einzelne Zeile davon genossen - für mich war das fast schon eine wohltuende Gehirn-Massage ^^

Wertung. 5 Sterne
Absolut lesenswert.

Das galaktische Imperium - Zitate

Lady Gladia hat einen wissenschaftlichen Besucher, der ihr eine Ankündigung macht.
«"Es gibt noch jemanden, der Sie sprechen möchte: einen Erdenmenschen - oder wenigstens einen Bewohner der Siedler-Welten, ein Abkomme von Erdenmenschen."
"Sagen Sie ihm," erklärte Gladia, "dass weder Erdenmenschen noch ihre Siedler-Nachkommen Aurora betreten dürfen, und schicken Sie ihn weg! Warum soll ich ihn empfangen?"
"Unglücklicherweise hat sich in den letzten zweihundert Jahren das Kräftegleichgewicht [zwischen Erde und Siedlern gegen Spacer der ersten Besiedlungswelle; Ravana] etwas verschoben, Madam. Diese Erdenmenschen haben mehr Welten als wir und haben immer schon eine viel größere Bevölkerung gehabt. Sie haben mehr Raumschiffe, wenn sie auch nicht so fortschrittlich wie die unseren sind. Und wegen ihrer kurzen Lebensspanne und ihrer Fruchtbarkeit sind sie anscheinend viel eher bereit zu sterben, als wir es sind."
"Letzteres glaube ich nicht."
Mandamus lächelte. "Warum nicht? Acht Dekaden [eine Dekade = ein Jahrzehnt; Ravana] haben viel weniger zu bedeuten als vierzig. Jedenfalls müssen wir sie höflich behandeln. [...]"»

---

Ein Gespräch zwischen Gladias Robotoern.
«Sie trafen sich an der Südgrenze der Länderreien der Niederlassung und unterhielten sich eine Weile in ihrer abkürzenden äsopischen Sprache. Sie verstanden einander gut; schließlich hatten sie viele Dekaden der Kommunikation hinter sich und brauchten sich auch nicht mit den gekünstelten Feinheiten menschlicher Sprache abzumühen.
Daneel sagte in fast unhörbarem Flüsterton: "Wolken. Unsichtbar."
Hätte Daneel für menschliche Ohren gesprochen, dann hätte er gesagt: "Wie du siehst, Freund Giskard, hat sich der Himmel bewölkt. Wenn Madam Gladia gewartet hätte, um Solaria zu sehen, wäre ihr das ohnehin nicht gelungen."»

Die frühe Foundation-Trilogie

Science-Fiction
"Untertitel": Foundation-Zyklus Teil 5 / Drei Romane: Ein Sandkorn am Himmel, Sterne wie Staub, Ströme im All
Erstauflage: 1950, 1951, 1952
Seitenanzahl: 811
Stichwort: Foundation, Zukunft, Spacer, Roboter
Review online seit 8.06.2009

Hintergrund. Hier handelt es sich um drei verschiedene kurze Abrisse Jahrtausende nach Aufbruch der zweiten Besiedlungswelle von der Erde, als bereits Millionen von Planeten besiedelt wurden.

Buch 1: Ein Sandkorn am Himmel. Im Jahr 1949 geschieht in einem kleinen chemischen Labor in Chicago ein Unglück. Mit einer Uran-Probe geht etwas schief und ein Joseph Schwartz, ein Passant auf der Straße, verschwindet. Er findet sich Jahrtausende später auf einer radioaktiv verseuchten Erde wieder, auf der nur noch wenige Menschen mit strengen Gesetzen leben - welche zudem auch noch von den Millionen von anderen besiedelten Planeten unterdrückt werden. Schwartz versteht nicht, was ihm zugestoßen ist, und macht sich auf, herauszufinden, wo er ist. Dabei macht er einige unglaubliche Entdeckungen.

Kritik. Ansich nicht schlecht, für sich allein eine nette Story. Sie hat wenig mit dem Foundation-Zyklus zu tun, doch erzählt es die Geschichte einer der vielen Millionen Welten des angehenden Galaktischen Imperiums, in dem die Erde ein unbedeutender Planet ist.
Das Buch zeigt keine Extreme - weder den interessanten Schreibstil aus "Das galaktische Imperium", "Die Stahlhöhlen" und andere, noch deren spannenden und geschichtsträchtigen Handlungen, dafür aber auch keine echte Kritik an Story oder Schreibstil.

Wertung. 3 Sterne
Ganz gut lesbar, die Zeitreise bringt dem Buch noch ein +

Buch 2: Sterne wie Staub. Der junge Biron, Bürger des Planetenverbands Rhodia, ist Student auf der Erde, als eines Nachts ein Attentat auf ihn verübt wird. Ein flüchtiger Bekannter aus seinem Heimatsystem erkannte die Gefahr, rettete Biron und klärte diesen darüber auf, dass dessen Vater wegen Hochverrat an der rhodianischen ungeliebten Besatzungsmacht, den Tyranni, hingerichtet worden war. Biron macht sich auf den Weg in seine Heimat, um die Hintergründe aufzuklären. Hier wird er in die Geschehnisse verwickelt und findet sich plötzlich selbst in der Widerstandsbewegung gegen die Tyranni wieder.

Kritik. Ein interessantes Konzept, das sich recht gut in den Gesamtkontext des Foundation-Zyklus einfügt.
Das Buch liest sich größtenteils recht gut, kann jedoch vom Stil und Großartigkeit nicht an andere Bücher von Asimov anknüpfen.

Wertung. 3 Sterne
Nette Sci-Fi-Story am anderen Ende der Galaxis.

Buch 3: Ströme im All. Der Planet Florina gilt als der schönste Planet der Galaxis, doch er ist in einer weiteren Hinsicht einzigartig: die extrem beliebte und teure Textilpflanze Kyrt wächst nur hier und nirgends sonst.
Aus diesem Grund hat der starke Nachbarplanet Sark Florina erobert und hält die Bewohner wie Sklaven zum Kyrtanbau, während er selbst als Herrenrasse auftritt. Nun taucht auch Florina ein Mann auf, der weder sprechen kann noch irgendetwas weiss. Eine junge Arbeiterin nimmt sich seiner an und pflegt ihn gesund. Mit der Zeit erinnert sich Rik, der verlorene Mann, an Details aus seinem Leben vor seiner Amnesie. Das Bild einer Katastrophe beschwört sich in seiner Erinnerung und er flieht, zusammen mit seiner Freundin und dem Schultheiß des kleinen Orts - gejagt von den "Herren" und ohne Rechte auf ihrem Planeten. Rik war etwas Großem auf der Spur, bevor seine Erinnerungen beseitigt wurden...

Kritik. Hierzu lässt sich im Prinzip das Gleiche sagen wie beim Buch zuvor. Nette Story in einer barbarischen Sklavenhaltergesellschaft, aber auch hier keine Höhen und Tiefen.

Wertung. 3 Sterne
Nette Sci-Fi-Story am anderen Ende der Galaxis.

Die Rückkehr zur Erde

Science-Fiction
"Untertitel": Foundation-Zyklus Teil 10
Erstauflage: 1986
Seitenanzahl: 570
Stichwort: Foundation, Zukunft, Roboter
Review online seit 19.04.2009

Zusammenfassung. In "Die Rückkehr zur Erde", dem direkten Nachfolger des Buches "Die Suche nach der Erde", sind Trevize, Ratsherr der Foundation und Besitzer eines fast einzigartigen hochtechnisierten Raumschiffs, sein Freund und Gelehrter Pelorat sowie dessen Gefährtin Wonne auf der Suche nach dem Ursprung der Menschheit, der Erde. Vor zwanzigtausend Jahren war die Menschheit von diesem Planeten aufgebrochen und hatte Tausende von Welten besiedelt und im Laufe der Zeit vergessen, von wo die menschliche Rasse überhaupt kam. Trevize ist nun besessen davon, diesen Planeten, über den nur noch Legenden berichten, zu finden. Pelorat, ein Historiker, kennt sich bestens mit den Mythen und Legenden über die Erde aus und ist so ein wertvoller Helfer. Wonne, Pelorats Freundin, ist Teil eines planetaren Organismus - sie kommt vom Planeten Gaia, auf dem jeder Fels, jeder Grashalm und jedes Lebewesen Teil des Ganzen ist und ein kollektives Bewusstsein besitzt. Mit ihren besonderen Fähigkeiten ist auch Wonne eine große Hilfe in gefährlichen Situationen und weiterhin Trevizes Gegenspielerin wenn es darum geht, die Vorteile eines kollektiven Bewusstseins gegen die Vorteile von Individuen zu diskutieren.

Die drei reisen nun von Welt zu Welt auf der Suche auf Hinweise darauf, was mit der Erde geschehen ist und wo sie sich befindet. Im Laufe der Reise erleben sie Abenteuer auf verlassenen oder völlig fremdartigen feindseligen Welten.

Kritik. Ich habe dieses Buch nun insgesamt bestimmt schon viermal oder öfters durchgelesen. Beim ersten Mal war ich etwa 14 oder 15 und war teilweise ein wenig abgeschreckt über die vielen Diskussionen zwischen Trevize und Wonne über ihre verschiedenen Ansichten zum kollektiven planetarischen Bewusstsein im Fall von Gaia, von der Wonne selbst ein Teil ist.
Dieses Mal aber fand ich die Dialoge weitaus interessanter, eine Bereicherung des Buches und zudem intelligent geschrieben.

Das bezieht sich im Übrigen auf das gesamte Buch: lockerer, teils humorvoller Schreibstil, keine zu weiten Ausschweifungen in Detailbeschreibungen und eine Story, deren Gehalt perfekt in die Länge des Buchs eingepasst ist.

Die Mythen über die Erde, auf der wir ja nun derzeit leben, sind in diesem Buch uralt und teilweise unglaubwürdig eingestuft. So heisst es, die Erde habe einen riesigen Mond, der selbst schon fast ein Planet sein könnte - doch dem könne man kaum Glauben schenken, da so etwas kaum möglich sei. Auch soll auf der Erde eine unglaubliche Artenvielfalt geherrscht haben, während auf den künstlich besiedelten Welten nur die erwünschten Arten leben. Es ist interessant zu sehen, was in einigen tausend Jahren über die Erde spekuliert werden könnte, wenn man sie selbst nicht mehr kennt ^^

Wir blicken heutzutage auf die zwei- bis viertausend Jahre alten Ruinen der griechischen, ägyptischen und römischen Hochkulturen, während wir es im Buch mit zwanzigtausend Jahren zu tun haben. Es ist interessant, Asimovs Vorstellung der weiteren Entwicklung der Menschheit zu lesen.

Wer übrigens bereits andere Bände des Foundation-Zyklus gelesen hat, wird einige gemeinsame Nenner finden. Asimov greift hier auf vorherige Geschichten zurück, beispielsweise finden sich hier uralte Legenden, die zur Zeit des Buches eigentlich undenkbar und inakzeptabel sind, jedoch Inhalt von früheren Büchern sind. Oder als weiteres Beispiel besuchen die drei einige Planeten, die bereits in früheren Teilen eine Rolle spielten - nur eben viele Jahrtausende später.

Dieses Buch ist zwar Teil der Foundation-Serie, hat jedoch mit der Foundation selbst wenig zu tun. Die Story spielt abseits der Entwicklung der Foundation, anders als in manchen anderen Teilen.

Wertung. 5 Sterne
Eines meiner absoluten Lieblingsbücher, ein wunderbarer Science-Fiction-Roman.

Die Rückkehr zur Erde - Zitate

Die drei Raumfahrer nehmen auf Wonnes Wunsch ein verwaistes fremdartiges Kind auf, das gerade beginnt, die galaktische Standardsprache zu lernen. Trevize ist von diesem zusätzlichen Esser wenig begeistert. Trevize steht im Bad und wäscht sich, als dieses Kind, Fallom, vor ihm auftaucht.
«"Wonne - sagen - du - mich - waschen."
"Ja?" sagte Trevize. Er legte die Hände auf Falloms Schulter: "Du - hier - bleiben."
Er deutete auf den Boden, worauf Fallom natürlich sofort ebenfalls auf die Stelle blickte, auf die sein Finger zeigte. Ansonsten schien es kein Wort zu verstehen.
"Beweg dich nicht!" sagte Trevize und hielt das Kind an beiden Armen fest, drückte sie ihm gegen den Körper, wie um dadurch Unbeweglichkeit zu symbolisieren. Er trocknete sich hastig ab, schlüpfte in seine Unterhosen und zog sich die Hosen darüber.
Dann verließ er den Raum und schrie: "Wonne!"
Auf dem Schiff war es recht schwer, von irgend jemandem mehr als vier Meter entfernt zu sein und Wonne kam sofort an die Tür. Lächelnd fragte sie: "Rufen Sie nach mir, Trevize, oder war das nur eine leichte Brise, die durch das hohe Gras weht?"
"Wir wollen mal nicht komisch sein, Wonne. Was ist das?" Er deutete mit dem Daumen nach hinten.
Wonne blickte an ihm vorbei und sagte: "Nun, es sieht so aus wie das Solarianerkind, das wir gestern an Bord genommen haben."
"Das Sie an Bord genommen haben. Warum soll ich es waschen?"
"Ich hatte gedacht, dass Sie das gern tun würden. Es ist sehr intelligent und eignet sich schnell die wichtigsten Begriffe Galaktisch an. Wenn ich etwas nur einmal erkläre, vergisst es das nie wieder. Natürlich helfe ich ihm dabei."
"Natürlich."»

---

Trevize befragt Pelorat wieder einmal über die Erde.
«"Gibt es irgendeinen Namen für die Sonne der Erde?"
"Es sind einige unterschiedliche Namen bekannt. Ich kann mir vorstellen, dass es in jeder der verschiedenen Sprachen einen anderen Namen gegeben hat."
"Ich vergesse immer wieder, dass die Erde viele Sprachen hatte."
"Die muss sie gehabt haben. Nur so geben viele der Legenden einen Sinn."»

Die Sphären

Science-Fiction-Roman
Erstauflage: August 2006
Seitenanzahl: 797 inkl. Anhang
Stichwort: Sci-Fi, besiedelte Galaxie
Review online seit 16.02.2009

Inhalt. Jahrtausende in der Zukunft existieren viele Zivilisationen in einem fortgeschrittenen hochtechnisierten, teilweise göttlichen Zustand nebeneinander. Nichts scheint unmöglich. Eine inzwischen verschwundene Zivilisation errichtete vor Äonen aus Gründen, die niemand bekannt sind, tausende von Schalenwelten - riesige künstliche Planeten mit vielen Ebenen übereinander, jede einzelne so groß wie eine Welt und mit Himmel, künstlichen Sternen und Vegetation. Verbunden und gleichzeitig getragen sind die verschiedenen Ebenen durch riesige Türme, die vom Kern bis zur Oberfläche der Schalenwelt reichen.
Auf einer dieser Welten, Sursamen, Ebene 8, lebt eine menschliche Zivilisation auf technischem Stand der Dampfmaschine. Ein junger Prinz, Thronerbe dieser Ebene, muss beobachten, wie sein Vater - der König - grausam von seinen eigenen Untergebenen ermordet wird. Der Prinz flieht mit einem Diener an die Oberfläche des Planeten, um die Hilfe seiner Schwester zu suchen, die Jahre zuvor in die Obhut einer hochtechnisierten Zivilisation genommen wurde und hier einen wichtigen Posten als Agentin bekleidet.
Gleichzeitig ist der Bruder des jungen Prinzen Zeuge, als ein Artefakt aus tiefster Vergangenheit in einer längst versunkenen Stadt Sursamens auftaucht und plötzlich auf zerstörerische Weise aktiv wird.

Kritik. Ich bekam dieses Buch von meinem Vater zu Weihnachten und war begeistert, als ich den Klappentext las. Hier lesen wir dies: "Menschen besiedeln diese Welten, nicht ahnend, dass sie damit ihren eigenen Untergang heraufbeschwören. Denn die Habitate sind eine gigantische Falle für die menschliche Zivilisation...". Leider hat die tatsächliche Story, wie ich sie oben beschrieben habe, bestenfalls ein kleines Quentchen mit dem Klappentext gemein. Was auf dem Buchrücken steht, hat quasi nichts mit dem Inhalt des Buchs zu tun. Das ist schon mal ein großer Enttäuschungspunkt. Aufgrund des Klappentextes hätte ich dieses Buch gekauft, hätte ich gewusst, was tatsächlich der Inhalt ist - eher nicht.
In Erwartung der gigantischen Falle für die menschliche Zivilisation beginnen wir also zu lesen, müssen uns jedoch erst hunderte Seiten mit einer barbarischen Zivilsation und deren feudalistischen Problemen herumschlagen, welche im Gesamtkontext der großen Zivilisationen absolut nichtig sind. Für mich war das eher enttäuschend, da ich erwartet hatte, einen waschechten Sci-Fi-Roman in den Händen zu halten. Man begegnet zwar auf der Reise des Prinzen ausserhalb der Schalenwelt und aus der Sicht seiner Schwester faszinierenden hochentwickelten Zivilisationen und Bräuchen, doch dies eher am Rande.
Erst im späten Verlauf der 600er-Seiten dieses 800-Seiten-Wälzers gibt es erste Hinweise auf die gigantische Falle für die menschliche Zivilisation, die keinesfalls eine gigantische Falle für die menschliche Zivilisation ist - jedenfalls nicht in diesem übertriebenen Wortsinn. Aber ich möchte nicht zuviel verraten. Nachdem die Story hunderte Seiten dahinplätscherte, kommt sie am Schluss zu einem blitzschnellen und so überhasteten Ende, dass es gar nicht überrascht oder schockiert, obwohl es inhaltlich definitiv das Potential dazu hätte. Leider erfährt man auch wenig bis nichts über das "warum" und "was überhaupt?" am Ende.
Die Charaktere sind dazu wenig ausgereift, man kann sich nur schwer identifizieren, man kann nicht in sie hineinblicken, daher fühlt man auch nur wenig mit ihnen mit.
Genug des Negativen. Wäre der Blick des Buchs nicht zu sehr auf die unterentwickelte Zivilisation der Schalenwelt gelenkt, sondern würde auch ein wenig mehr der übermächtigen Zivilisationen zeigen, hätte das Buch sicherlich mehr Potential. Es sind definitiv faszinierende Ansätze vorhanden, wie zB. den Schalenwelten selbst, oder tausende Kilometer große Nestwelten einer Wasserspezies oder futuristische Technikspielereien. Leider kommt dies nur am Rande vor. Ich habe gehört, dass der Autor weitere Bücher geschrieben hat, die in diesem Universum angesiedelt sind (die "Kultur-Reihe") und die teilweise sehr hochgelobt sind. Leider sehe ich bei "Die Sphären" wenig Grund, nachhaltig zu loben.

Wertung. 1 Sterne
Ein Stern für unpassenden und irreführenden Klappentext, eine langatmige Story, die im Prinzip eher wenig in ein solches Universum passt und das überhastete Ende sowie die eher leblosen Charaktere. Ein paar interessante Ansätze ziehen die Wertung wieder ein wenig hoch, daher das +

Buchname - Zitate

Hier ein Aspekt, den ich durchaus interessant fand. Davon sollte es mehr geben :D
"Jerle Batra war mit männlichem Geschlecht geboren und hatte, wie in der Kultur üblich, für eine Weile das Geschlecht gewechselt und ein Kind zur Welt gebracht. Später hatte er sich aus persönlichen Gründen für einige Zeit in die Ruhe beziehungsweise Einlagerung zurückgezogen und etwa tausend Jahre in einem Zustand verbracht, der dem Tod so nahe kam, wie es möglich war, ohne ganz auf die andere Seite zu wechseln.
Nach dem Erwachen fühlte er noch immer den Schmerz, ein Mensch in menschlicher Gestalt zu sein, und daraufhin ließ er Gehirn und Zentralnervensystem nacheinander auf verschiedene Gestalten Übertragen. Seinen derzeitigen Körper bewohnte er seit rund einem Jahrhundert. Er war ein Aciculat und hatte die Gestalt eines Busches [..]."

Die Tore der Welt

Historischer Roman (fiktionale Figuren)
Erstauflage: 2007
Seitenanzahl: 1293
Stichwörter: Fortsetzung, Kingsbridge, Kathedrale
Review online seit 21.08.2009

Inhalt. Bei diesem Buch handelt es sich um den Nachfolger des sehr bekannten Follet-Romans "Die Säulen der Erde", den ich mehrfach gelesen, aber leider hier noch nicht rezensiert habe.
Die Story des Buchs beginnt etwa 200 Jahre nach Ende von "Die Säulen der Erde" und es werden die Nachfahren der Personen aus dem Vorgänger näher beleuchtet.
Wie auch beim Vorgänger handelt es sich nicht um ein Buch mit einer bestimmten Pointe, sondern eher um eine biographische, epische Erzählung über mehrere Jahrzehnte.

Nach einer Messe in der Kathedrale von Kingsbridge treffen sich vier Kinder aus unterschiedlichen Ständen und gehen zum Spielen in den Wald: Gwenda, die Tochter eines Tagelöhners und Diebs, Merthin und Ralph, Söhne eines verarmten Ritters und Caris, Tochter eines reichen Händlers.
Diese vier Kinder spielen im Buch die Hauptrolle, deren Leben und Entwicklung werden in allen Verflechtungen, Intrigen und Tragödien erzählt.
Gwenda möchte nichts lieber, als den Mann, den sie liebt, heiraten und mit ihm zusammen eigenes Land besitzen, während Ralph sich immer wünschte, ein großer Ritter zu werden. Merthin ebenfalls, doch sein Vater sieht ein anderes Schicksal für ihn vor. Und Caris - sie ist ein freiheitsliebendes Mädchen und will niemals heiraten und sich einem Mann u nterwerfen.

Ob die vier ihre Ziele im Leben erreichen und was sie durchmachen müssen - das beschreibt "Die Tore der Welt".

Kritik. Ich habe das Buch Ende Juli von meinen Schwiegereltern bekommen - die Hardcoverausgabe, mit illustrierter Karte von Kingsbridge, passenden Bildern zu Beginn jedes Kapitels und fast bibeldünnen feinen Seiten, und derer gleich an die 1300 Stück ^^ Allein das macht das Buch zu einem Schatz ^^ Darum habe ich es auch in nur einer Woche durchgelesen.
Viel zu kritisieren gibt es nicht - genau wie sein Vorgänger liest es sich sehr gut und immer wieder spannend. Beim Lesen merkt man oft, dass sich wieder etwas anbahnt, dass einen oder mehrere Charaktere gefährdet und denkt sich dabei schon fast "hoffentlich kommt es nicht dazu", es bleibt also immer spannend.
Dafür gibt es aber auch keine besonderen Höhen in erzählerischer Form: der Stil ist flüssig, aber darüber hinaus nicht humoristisch oder in der wortverwendung besonders intelligent. Die Charaktere werden ständig vom Leben oder Widersachern gepiesackt, aber sie zeigen selten individuelle Charakterzüge, die durch den Erzählstil aufgezeigt werden: sprich, gebildete Personen haben die gleiche Wortwahl wie ungebildete Bauern, alle Charaktere haben gleich wenig Humor.

Das ändert jedoch nichts daran, dass "Die Tore der Welt" ein fesselndes episches Werk voller Intrigen, Diebstahl, Pest und Lebensträumen ist.

Wertung. 4 Sterne
Gelungene Fortsetzung des Vorgängers.

Maria Stuart

Historischer Roman / Biografie
Untertitel: Der Roman ihres Lebens
Erstauflage: 1992
Seitenanzahl: 1208
Stichwort: Königin von Schottland
Review online seit 15.08.2009

Inhalt. Margaret George widmete 4 Jahre ihres Lebens der vorliegenden romanhaften Biografie über die berühmte Königin der Schotten, Maria Stuart. Marias berühmter Großonkel Henry VIII, König von England, der sechs Ehefrauen hatte und zwei davon hinrichten ließ, ist wahrscheinlich Vielen ein Begriff; und auch Mary Stuart und ihr tragisches Leben, das sie zu großen Teilen in Gefangenschaft verbrachte, ist nicht gerade die unbekannteste historische Figur der britischen Insel.

Als kleines Kind wird Maria nach Frankreich gebracht, da in Schottland Krieg herrschte und die Gefahr, dass sie als legitime Königin in Feindeshand fiel, zu groß war. In Frankreich, dem Herkunftsland ihrer Mutter, wurde Maria erzogen und lernte auch ihren zugesprochenen späteren Gemahl, den französischen Thronfolger Franz, kennen. Nach dessen frühem Tod kehrt Maria im jungen Alter von 19 Jahren zurück nach Schottland, um ihr Amt als schottische Königin anzutreten. Zunächst als beliebte Königin vom Volk verehrt, wendet sich ihr Glück mit einer unglücklichen Ehe und einer neuen tragischen Liebe. Sie muss wieder fliehen und wendet sich an ihre Großcousine, Königin Elisabeth I. von England. Doch das erweist sich als Fehlentscheidung, denn Elisabeth sieht in ihrer "königlichen Schwester" viel zu sehr eine Konkurrentin für den englischen Thron, und so endet Marias Leben 20 Jahre später auf einem englischen Schafott.

Zwar habe ich hier schon einiges vom Verlauf der Geschichte verraten, was ich eigentlich sonst ungern tue. Genau diese Informationen finden sich jedoch auch direkt auf dem Buchrücken als kurze Inhaltsangabe des Buchs und können vor dem Lesen kaum unentdeckt bleiben ^^

Kritik. Das wohl mindestens ebenso bekannte Werk der Autorin "Ich, Heinrich VIII." hatte ich bereits vor Jahren insgesamt zweimal gelesen und zähle es noch immer zu meinen Lieblingsbüchern dieses Genres. Das Buch über Mary Stuart befand sich daher schon sehr lange auf meiner Leseliste. Ich fürchte allerdings, dass es nicht ganz an das Buch über Henry VIII. herankommt.

Das Buch ist in der dritten Person geschrieben, so dass zwar meistens der Blick auf Maria gerichtet ist, jedoch auch kurze Abstecher direkt zu weiteren wichtigen Personen der Handlung ermöglicht werden, so dass auch deren Gefühle und damit auch ihre Handlungsgründe besser klar werden. Der Schreibstil ist angenehm und die Autorin bedient sich einer angemessenen Wortwahl. Humoristische Anflüge sind jedoch kaum vorhanden, höchstens ein kurzes Schmunzeln ist möglich.

Es wird ein tragisches Leben beschrieben. Maria ist eine intelligente junge Frau mit guter Erziehung, die alles richtig machen will und auch könnte, doch sie trifft völlig unvorbereitet immer wieder auf Intrigen und Verrat unter ihren engsten Beratern und Angehörigen. Sie ist daher machtlos gegenüber den Umständen, und das gibt auch dem Leser selbst irgendwie ein Gefühl der Hilflosigkeit. Maria hat in ihrem Leben bis auf ihren katholischen Glauben alles verloren und muss mit diesem Wissen viele Jahre in Gefangenschaft verbringen. Mich selbst hat das Buch im späteren Verlauf auch teilweise runtergezogen und deprimiert, denn zumindest ich selbst habe mich gefragt, was es denn nützt, gutgläubig um das Richtige im eigenen Leben zu kämpfen, wenn doch die Umstände einem alles verwehren können und ohne, dass man Schuld daran trägt, immer wieder zurück in den Abgrund stoßen können. Aber - ich lasse mich von sowas auch leicht beeinflussen ^^

Da Mary Stuart als historische Figur tatsächlich eine schreibefreudige Person war und vor allem auch während ihrer Gefangenschaft dieses Talent immer weiter ausbaute, sind viele Details aus ihrem Leben bekannt. Viele ihrer Briefe werden im Buch auch zitiert und in die Handlung eingebaut, so dass man den Eindruck erhält, dass sich tatsächlich ihr Leben so oder zumindest ähnlich abgespielt haben könnte. Die Autorin selbst fügt ein a usführliches Nachwort über ihre Recherchen und ihre eigene Auslegung des Themas an.

Als negative Kritik möchte ich anmerken, dass vor allem eher am Anfang des Buches einige wichtige Personen vorgestellt werden, deren Namen und Funktion ich mir nicht alle merken konnte und so den Verwicklungen zunächst nicht ganz folgen konnte. Da es sich jedoch größtenteil um Personen handelt, die im weiteren Verlauf immer wieder auftreten, bekommt man die wichtigen Infos, wer wer ist, dann zwangsweise eingehämmert ^^ Für mich ließ dieses Detail das Buch jedoch kurzzeitig sehr trocken und eher langweilig werden - diesen Eindruck hatte ich vom Buch über Henry VIII. nicht, und daher finde ich dieses ein wenig besser als das über Mary.

Ich empfehle dieses Buch jedem, der gerne historische "Lebensromane" liest, im Stile von "Ich, Heinrich VIII.", die Rebecca-Gablé-Romane und auch Ken Follet's historische Romane.

Wertung. 4 Sterne

Insgesamt eine monumentale Lebensgeschichte.

Maria Stuart - Zitat

Maria richtet sich kurz nach ihrer Rückkehr nach Schottland im verwahrlosten Holyrood Palast in Edinburgh ein.
«"Meine Herren!" rief sie. "Vor Euch in diesen Kisten sind Pflanzen, die ich aus den Gärten Frankreichs habe schicken lassen. Es sind persische Lilien -"
"Die wachsen hier nicht", sagte einer der Gärtner rasch.
"Zu kalt", bekräftigte ein anderer.
"Wir können versuchen, sie an einem Südhang zu pflanzen und sie ein bisschen zu schützen", sagte Maria- "Und hier ist Rosa Gallica, die rote Rose, die so üppig blüht, und die Mondchrysantheme, die ihre Blüten nur in der Nacht öffnet..."
Die Gärtner meinten: "Da braucht man Mist!"
"Daran wird es in den königlichen Marställen gewiss nicht mangeln", sagte Maria. "Und hier - Ahornbäume habe ich senden lassen." Sie deutete auf die höchsten Kisten. "Ich hoffe nur, dass sie hier wachsen! Wenn der Wind in ihnen rauscht, ist das einer der lieblichsten Klänge auf Erden."
Die Männer grunzten.»

Love

Horror / Thriller
Erstauflage: 2006
Seitenanzahl: 730
Stichwort: Vergangenheitsaufarbeitung
Review online seit 2.07.2009

Inhalt. Lisey war 25 Jahre lang glücklich mit dem berühmten Schriftsteller Scott Landon verheiratet, als er plötzlich starb. Zwei Jahre später beginnt sie damit, sein Büro aufzuräumen und seine Hinterlassenschaften durchzuschauen, um sich endlich richtig zu verabschieden. Dabei tauchen schöne, traurige und sehr beunruhigende Erinnerungen und Gefühle auf, die sie längst meinte verdrängt zu haben. Es stellt sich heraus, dass ihr Mann vor seinem Tod für sie eine Art Schnitzeljagd vorbereitet hatte, auf deren Spur sich Lisey nun macht, während sie sich an mehr und mehr Details aus ihrem Leben mit dem seltsamen Mann erinnert.

Kritik. King verwendet hier Techniken, die er im Lauf seiner Schriftstellerjahre immer weiter verfeinert hat, zB. Zeitsprünge von Kapitel zu Kapitel, die mitten im Satz stattfinden, extrem detaillierte Beschreibungen, eigene Wörter und Sprachverwendungen seiner Hauptcharaktere. Meiner Meinung nach ist das in diesem Buch jedoch übertrieben. Die ersten 100-200 Seiten versteht man kaum, um was es geht, so viele Erinnerungsfetzen tauchen auf, wobei dabei noch Wortschöpfungen verwendet werden, die man selbst nicht kennt. Das Ganze ist also schwer nachvollziehbar, bzw. es ist lange nicht verständlich, was denn überhaupt nun der Sinn des Ganzen ist.

Das Buch ist nicht langweilig - nein, das nicht - ich habe es selbst in nur 3 Tagen verschlungen, aber auch nicht gut in dem Sinn. Das Schema ist außerdem ähnlich wie in weiteren King-Büchern, besonders wie in "Das Bild - Rose Madder", und leider wird das irgendwann auch langweilig. Nicht im Buch, aber das Prinzip, es kommt einem eben ein wenig schal vor, etwas überstrapaziert, genau wie der allgemeine King-Stil. Der King-Stil ist toll, ich habe sehr viele seiner Bücher gelesen und fand die meisten einfach herausragend, aber hier gibts so eine geballte Ladung davon, dass es meiner Meinung nach nicht mehr schön ist. Das ist wie wenn man statt einem Hauch von Parfum gleich eine ganze Flasche über sich auskippt - das kann man nicht ertragen.

Etwa 85% der Story bestehen aus Rückblenden. Aber ok, das gehört eben zur Geschichte: dass Lisey sich an Verdrängtes erinnert. Trotzdem wirkt das Buch dadurch ein wenig flach, ohne Action, obwohl die Rückblendungen keineswegs einfach nur langweilig sind - im Gegensatz komischerweise durch die vielen Details sogar recht lebendig.

"Love" ist nicht wirklich schlecht, nur übertrieben.

Wertung. 2 Sterne

Obwohl der oben beschriebene Gesamteindruck nicht so positiv ist, ist es nicht destotrotz ein King-Buch und King ist so oder so nie wirklich ganz schlecht ^^ Zudem ist es trotz allem nicht langweilig, daher 2 Sterne und ein +

Der Geblendete

Roman / Thriller
Erstauflage: 2000
Seitenanzahl: 887
Stichwort: Thriller Killer Mordserie Psychopath
Review online seit 16.02.2009

Inhalt. Die Geschichte geht vielversprechend los, es werden gleich zwei Handlungsstränge vorgestellt, die parallel stattfinden und sich immer abwechseln. Es geht einmal um einen jungen Mann, der spontan seine geliebte Frau ermordet und sich dann langsam immer mehr zu einem gefährlichen, der Welt entrückten Killer entwickelt. Der zweite Strang erzählt von einer hochschwangeren Frau, deren Mann am Tag der Geburt des Kindes ums Leben kommt. Der kleine Sohn bekommt den Namen Bartholomew. Ein dritter Strang kommt ins Spiel, hier stirbt eine 16jährige bei der Geburt ihres durch eine Vergewaltigung gezeugtes Kind. Die Schwester der jungen Mutter nimmt sich des Kindes an und lebt fortan in Angst vor dem Vater des Kindes, der es töten würde, wenn er von seiner Existenz wüsste.
Seit dem Mord an seiner Frau hat der Mörder Angstträume, in denen ihm von einem Bartholomew Gefahr droht und dementsprechend verwendet er große Teile seiner Energie darauf, diesen Bartholomew zu finden.
Diese drei Stränge kommen im Lauf des Buches zusammen und vereinigen sich zu einem einzigen Handlungsstrang.

Kritik. "Dean Koontz - Der Meister unserer finstersten Träume", das steht auf dem Rücken dieses Buchs, das ich vorletzte Woche auf dem Kramtisch einer Buchhandlung in Hagen gefunden hatte. Ca 890 Seiten dick, wegen eines Produktionsfehlers nur 2,99 € und ein Koontz, da kann man ja nicht nein sagen. Hatte schon öfters was von dem Autor gehört, aber noch nie gelesen.

Das Buch liest sich von Anfang an äußerst gut und fesselnd, der Autor zeigt Humor und weiß es, den Leser mitzureißen. Nach den ersten Seiten hatte ich große Erwartungen in den Rest, die jedoch mit der Zeit ein wenig auf die Probe gestellt wurden. Der Stil des Autors bleibt bis fast zum Ende durchgehend gleich gut, die Entwicklung der Geschichte selbst sagte mir aber nicht richtig zu. Es kommen immer mehr übersinnliche Phänomene ins Spiel - Kinder mit besonderen Fähigkeiten und dem Wissen über unzählige Parallelwelten zum Beispiel. Weiterhin geht es gegen Ende des Buchs meiner Meinung nach unglaublich harmonisch zu. Die Hauptcharaktere haben sich gefunden und bilden sofort eine eingeschworene Gemeinschaft, die für wohltätige Zwecke arbeitet - ohne die Entwicklung der einzelnen Charaktere zu berücksichtigen. Das ist meiner Meinung nach ein wenig unglaubwürdig und geht sehr in Richtung heile-Welt-Kitsch.
Auch der dreijährige Sohn, mit dem die Mutter Gespräche wie mit einem Erwachsenen führt, kommen nicht ganz rüber. Zu guter Letzt entledigt sich die Gemeinschaft ihres Verfolgers auf eine derart unliebsame Art, dass ich mich fragte, ob der Autor keine Zeit mehr hatte. 700 Seiten wird da in liebevoller Kleinstarbeit ein glaubwürdiger Killer modelliert und dann verschwindet er von einer Zeile auf die andere aus der Geschichte, aus dem Gedächtnis und ohne weitere Erwähnung aus dem Buch. Schade. Das Buch ist damit noch nicht zu Ende; auf wenigen Seiten vergehen noch ca 30 Jahre, in denen man einen Blick auf die Entwicklung der einstigen Hauptcharaktere erhält. Meiner Meinung nach musste auch das nicht sein.

Aber nichtdestotrotz ist das Buch bis zum erwähnten Endteil trotz sich andeutender kleiner Schwächen ein sehr unterhaltsamer und gut geschriebener Zeitvertreib.

Wertung. 3 Sterne
Ich schwanke zwischen 3 Sternen (wegen der nachlassenden Story und dem daher unschönen Nachgeschmack) und 4 Sternen (wegen des attraktiven Stils, der weithin spannenden Geschichte und dem psychotischen Protagonisten) und empfehle das Buch letztendlich mit 3 Sternen und einem inoffiziellen +

Der Geblendete - Zitate

Der Mörder lernt in einer Bar eine junge hübsche Frau kennen.
"Er fragte sich, wie es sein würde, mit ihr zu schlafen und sie umzubringen. Er hatte erst ein einziges Mal ohne guten Grund getötet. Und da hatte es einen dieser unangenehmen Bartholomews getroffen. [..] Einen Mann. Damals war keine Erotik im Spiel gewesen. Es würde eine Premiere sein.
Er war kein wahnsinniger Triebtäter, kein Mensch, der zum Mörder wurde, weil er seine perversen Gelüste nicht unter Kontrolle hatte. Eine einzige Erfahrung, bei der Sex und Tod Hand in Hand gingen - ein Luxus, den er sich kein zweites Mal leisten würde -, bedeutete nicht, dass er sich ernsthafte Gedanken über sich machen oder sein Selbstbild revidieren musste.
Eine Wiederholung würde auf einen gefährlichen psychischen Defekt hinweisen. Ein drittes Mal wäre unverzeihlich. Als einmaliges Erlebnis war es ein sinnvolles Experiment. Eine Lernerfahrung.
Jeder echte Abenteurer würde ihn verstehen."

Ostpreußisches Tagebuch

Tagebuch / Nachkriegs-Erinnerungen
Untertitel: Aufzeichnungen eines Arztes aus den Jahren 1945-1947
Erstauflage: April 1967 / Niedergeschrieben 1947
Seitenanzahl: 286 Seiten + Gebietskarte im Anhang
Stichwort: Weltkrieg, Vertreibung, Nachkrieg
Review online seit 4.01.2010

Inhalt. Es handelt sich um eine Sammlung von Tagebucheinträgen und im Jahre 1947 niedergeschriebene Erinnerungen des Autors, der die Eroberung Ostpreußens durch die Russen mit- und überlebte.

Der Autor stammt aus Ostpreußen und war studierter Arzt und Chirurg. Dieses Buch erzählt von seinen Erlebnissen in verschiedenen Etappen - beginnend mit den bedrückenden Erlebnissen der letzten Kriegswochen vor der Einnahme Königsbergs durch die Rote Armee und der folgenden Plünderungen und Gewaltexzesse. Es folgt eine Verschleppung durch die russischen Besatzer sowie die Flucht des Autors und später seine Internierung in einem Gefangenenlager. In dieser Zeit erlebte er katastrophale und unmenschliche Zustände, bis sich die Lage ab 1946 wieder bessert, als der Autor Bekannte und Verwandte wiedertrifft und man beginnt, sich mit den Besatzern zu arrangieren und sein Leben wiederauzubauen, auch wenn die ständige Angst vor den Besatzern sowie die Unterdrückung stetig vorhanden sind.

Kritik. Ich bekam dieses Buch 2009 von meiner Tante zu Weihnachten. Sie hatte das Buch ebenfalls gelesen, auf Empfehlung ihrer Mutter, meiner Oma, die ebenfalls zu den Millionen Flüchtlingen gehört hatte, die zu Kriegsende Ostpreußen den Rücken zukehrten.

Das Buch ist nicht in Romanform geschrieben, das heisst es ist nicht dazu da, um den Leser auf möglichst spannende oder rührende Weise zu unterhalten. In großen Teilen werden wirklich tageweise die Erlebnisse beschrieben oder kurz erwähnt, während andererseits wieder Wochen und Monate vom Autor als Erinnerungen zusammengefasst werden.

Was der Autor in kurzen Sätzen beschreibt, ist weder wertend noch Sympathie heischend, sondern man liest einfach nur seine Erlebnisse, und das auf eine neutrale Art geschrieben, die noch hervorhebt, wie schrecklich das Erlebte wirklich war. Der Autor schreibt, wie sein Umfeld getötet und vergewaltigt wird, wie tausende von Ruhrkranken um ihn herum sterben und er selbst am Rande des Zusammenbruchs und Verhungerns ist, ohne dabei irgendwie anklagend zu wirken. Dieser "neutrale" Schreibstil hebt noch mehr hervor, wie abgestumpft die Menschen gegenüber den schlimmsten Tragödien geworden waren.
Erst hielt ich Vieles noch für übertrieben dargestellt, zB. dass die Besatzungstruppen als größere Bestien dargestellt werden als sie tatsächlich waren, doch als ich mich mit meiner Tante über das Buch unterhielt, meinte sie, dass meine Oma, die manche Erfahrungen ebenfalls gemacht hatte und zu dieser Zeit ja auch tatsächlich dabei war, einfach nur dazu gesagt hätte: "Es war so." Erschreckend.
Dafür, dass der Autor sich an die Wahrheit hält, spricht auch, dass er selbst Schuld auf sich geladen hat - vor allem anfangs zieht er sich oftmals zurück, wenn der stattdessen die Gelegenheit hätte, seine Mitmenschen zu schützen. Diese Schuld gesteht er sich selbst auch ein.

Die erste Hälfte des Buchs hab ich in einem Rutsch gelesen und brauchte danach einige Zeit, um wieder in die Gegenwart zurückzukommen. Mich packte wirklich das nackte Grauen.

Der Schreibstil des Autors ist durchweg angenehm und intelligent. Bei manchen Ausdrücken und Satzwendungen musste ich sogar schmunzeln.
Der Schmunzeleffekt trat auch sonst hin und wieder auf - vor allem gegen Ende, als die Lage sich langsam bessert. Meistens wenn der Autor auf seine nicht wertende Art über die Ignoranz der russischen Besatzer schreibt - zB. der nebenbei eingeworfene Satz, dass die Russen mal wieder mit Handgranaten im See angeln, und ein paar Seiten später ein Waldbrand erwähnt wird, der durch die Russen ausgelöst wurde, als sie "die explodierten Fische auch gleich am Lagerfeuer gegessen haben".

Wertung. 4 Sterne
Für Interessierte am Thema Krieg und Nachkriegszeit definitiv empfehlenswert. Ein erschreckendes Zeugnis von Situationen, die für die Nachkriegsgenerationen einfach unvorstellbar sind.

Ostpreußisches Tagebuch - Zitat

«Dienstag, den 3. April
Schon früh am Morgen ist es mir wegen des stärkeren Artilleriebeschusses in meinem Zimmer im zweiten Stock recht ungemütlich geworden, obgleich ich mir ausgerechnet habe, dass auf direktem Wege eigentlich gar nicht hineinzutreffen ist. Meine Siebensachen habe ich fast alle mit hinuntergenommen und im Raum neben dem Operationssaal untergebracht. Eine Stunde später, als wir gerade beim Operieren sind, prasselt eine Ladung kleiner Bomben auf uns herunter. Teile der Hauswand lösen sich von den oberen Etagen der alten hohen Ziegelkästem und krachen zu Boden. Im Operationssaal sind wir gut geschützt und empfinden die Einschläge kaum. Kurz darauf kommt jemand herein und empfiehlt mir, gelegentlich einmal einen Blick auf die gegenüberliegende Hauswand zu werfen. Ich laufe vor die Tür und sehe im zweiten Stock ein großes Loch. Die einzige Bombe, die das Haus von der Seite getroffen hat, ist in mein Fenster gegangen und hat ein rundes Loch aus der Mauer gerissen. Oben sind nur noch Trümmer, die Innenwände herausgerissen, mein Bett und der Rest meiner Habe in Fetzen.»

Van Gogh

Biografie
Untertitel: Eine Biografie
Erstauflage: 1955, in Deutschland 1961
Seitenanzahl: 429 + Anhang + vereinzelt Fotos von Werken und Schauplätzen
Review online seit 15.08.2009

Inhalt. Bei diesem Buch handelt es sich um eine ausführliche und anhand von genauen Recherchen möglichst objektive Biografie des Malers Vincent van Goghs. In einem Vorwort erklärt der Autor ausdrücklich, dass es sich nicht um eine romanhafte Lebensgeschichte handeln soll, sondern er keine eigene Fantasien eingebaut habe. Er halte sich ausschließlich an bekannte Fakten aus erhaltenenen Briefen oder Zeugenberichten.

Vincent van Gogh wurde in den Niederlanden geboren und ist von Kind an ein eigentümlicher Mensch, der andere nur schwer an sich heranlässt. So widmetet er sich nach seiner Lehrzeit zunächst mit Leidenschaft dem Priesterberuf, in dem er sich völlig aufopfert. Er verliebt sich zweimal unglücklich, wird von seinen Angebeteten jedoch ausgelacht. Später überredet ihn sein Bruder Theo, sein Zeichentalent auszubauen und Maler zu werden. Dieser Berufung folgt Vincent von nun an mit all seiner Kraft, führt ihn schließlich in den Wahnsinn und kostet ihn schlussendlich das Leben.

Kritik. Dieses Buch ist schwer zu kritisieren, da es sich wie erwähnt nicht um einen Roman handelt, sondern im Prinzip eine in flüssiger Textform "romanähnliche" Aneinanderreihung von Fakten mit vielen eingestreuten Zitaten aus Originalbriefen ist. Ein Sachbuch ist es dann aber auch nicht, daher stelle ich es hier vor.

Auffällig ist, dass der Autor ein großer Befürworter der Kunst van Goghs zu sein scheint, denn den Schilderungen des Malstils hört man deutlich postive Aspekte an. Ich persönlich kann jedoch mit Bildern von van Gogh in den allermeisten Fällen nichts anfangen ^^ Aber das Lesen des Buchs macht schon irgendwie Lust, sich ebenfalls daran zu versuchen, Motive einzufangen und lebendig festzuhalten.

Der Autor versteht es, die Leidenschaften van Goghs sehr gut auszudrücken und weiterzugeben, so dass man ein Gefühl für dessen Verlorenheit im Leben erhält. Auch werden ausführlich Gründe für van Goghs aufopferungsvollen Handlungen beschrieben, so dass man versteht, warum er etwas tat oder nicht tat. Da van Goghs zu kurzes Leben auch alles andere als sesshaft und langweilig verlief, entsteht doch ein abwechslungsreicher Text, der in großen Teilen allerdings recht tragisch ist. Van Goghs große Deprimiertheit kommt recht gut beim Leser an.

Die verwendete Sprache im Buch ist zuweilen nicht mehr ganz aktuell, da das Buch vor 50 Jahren gedruckt wurde - das macht das Lesen manchmal etwas schwieriger, ich selbst fand die ältere Sprache jedoch eher mal sehr erfrischend und irgendwie authentisch ^^

Wertung. Keine Wertung als Roman möglich. Trotzdem empfehlenswert zu lesen für ein wenig Allgemeinbildung und insbesondere als Kunstinteressierter.

Van Gogh - Zitat

Vincent verbringt in späteren Jahren einige Zeit in der Provence in Frankreich, um zu malen.
«Der August steht in Flammen. Die Bilder häufen sich. Vincent frohlockt. Ganz seiner Leidenschaft hingegeben, nimmt er kaum etwas zu sich, er lebt nur von Schiffszwieback, etwas Milch und ein paar Eiern. Er kann sich nicht mehr beherrschen, in seinen gelb überfluteten Bildern gibt er der Beigeisterung beredten Ausdruck, die ihn inmitten der glühenden Landschaft mit Wut beseelt. Im tiefsten und eigentlichsten Sinne des Wortes wird er begeistert und durchdrungen von der gewaltigen Inspiration einer übermenschlichen Macht. Sein Pathos schwillt an und schmilzt zu schrillen Tönen zusammen. "Einer Zikade gleich" geniesst er die Sonne.»

Der Vorleser

Roman / Unterrichtslektüre Oberstufe
Erstauflage: 1995
Seitenanzahl: 206
Stichwort: Liebesbeziehung mit Altersunterschied
Review online seit 17.02.2009

Inhalt. Bei diesem Buch ist es schwierig, eine Zusammenfassung zu geben, ohne gleich wichtige Informationen preiszugeben, daher fällt sie hier ein wenig knapp aus.
Ende der 50er Jahre geht ein 15jähriger Schüler (der Erzähler) mit einer 36jährigen Straßenbahnschaffnerin eine Beziehung ein. Das ist schon ansich eher ungewöhnlich, die Beziehung der beiden ist aber auch sonst nicht gerade normal, nichtmal, wenn man mit einbezieht, dass eine solche Beziehung weder von der Gesellschaft akzeptiert wird noch überhaupt richtig möglich ist.
Im ersten Teil des Buchs geht es um diese Beziehung und ihre Höhen und Tiefen, im zweiten Teil um Ereginisse, die auf die Beziehung zurückzuführen sind, außerdem entdeckt der Erzähler eine Tatsache, die viele merkwürdige Situationen während der Beziehung damals aufklären und überhaupt erst für ihn verständlich machen. Außerdem ist die Frau, die er damals liebte, nicht nur das, was sie vorgab zu sein.

Kritik. Ich habe das Buch für den Deutsch-LK gekauft, es ist ein potentielles Abiturthema der nächsten Jahre. Sowohl der Lehrer als auch einige Mitschüler sagten, dass dieses Buch nicht das Wahre wäre und grässlich zu lesen sei. Bei einer Unterrichtslektüre ist das auch nicht so überraschend :D
Jedenfalls begann ich das Buch und war von der ersten Seite an mitgerissen, ich habe es noch am gleichen Tag zu Ende gelesen.
Es wird niemals so ganz eindeutig klar, warum die Frau überhaupt diese Beziehung eingeht und auf was sie genau basiert, so dass Raum für eigene Vermutungen und Interpretationen bleibt. Das hat irgendwie mein Interesse geweckt und ich wollte mehr wissen. Der zweite Teil deckt dann einige Ungereimtheiten aus dem ersten Teil auf, so dass man besser verstehen kann, wieso es zu bestimmten Situationen kommen konnte. Auch das reizt mich, denn das Buch ist es wert, ein wenig darüber nachzudenken und die neuen Erkenntnisse mit älteren beschriebenen Situationen zu verbinden.

Ich kann mir gut vorstellen, dass das Thema nicht jedermanns Sache ist. Liebesbeziehung, zwischenmenschliche Beziehungen, ein derartiger Altersunterschied.. Das Buch ist aber definitiv Lichtjahre davon entfernt, kitschig zu sein oder an einen Groschenroman zu erinnern. Die Beziehung und ihre Folgen sind zwar zentrales Thema des Buchs, sie ist aber definitiv nicht übertrieben und aufdringlich beschrieben. Es steckt Tiefsinn dahinter, und gerade im zweiten Teil wird man auch noch mit einigen philosophischen Fragen konfrontiert.

Und als kleiner Tipp: "Der Vorleser" wurde mit Kate Winslett verfilmt, läuft im Februar 2009 an und ist für 5 Oscars nominiert :D

Wertung. 3 Sterne
Endlich mal eine auch für zu Hause interessante Unterrichtslektüre. 3 Sterne mit einem +

Der Vorleser - Zitate

Die Frau sagt zum Erzähler, er solle die Schule nicht vernachlässigen, auch wenn Schule ihm "blöd" vorkomme. Ihre eigene Arbeit, Fahrscheine an Passagiere zu verkaufen, sei noch viel blöder.
"Wir standen uns nackt gegenüber, aber sie hätte mir in ihrer Uniform nicht abweisender vorkommen können. Ich begriff die Situation nicht. War es ihr um mich zu tun? Oder um sich? Wenn meine Arbeit blöd ist, dann ist ihre erst recht blöd - hatte sie das gekränkt? Aber ich hatte gar nicht gesagt, dass meine oder ihre Arbeit blöd ist. Oder wollte sie keinen Versager zum Geliebten? Aber war ich ihr Geliebter? Was war ich für sie? Ich zog mich an, trödelte, und hoffte, sie würde etwas sagen. Aber sie sagte nichts. Dann war ich angezogen, und sie stand immer noch nackt, und als ich sie zum Abschied umarmte, reagierte sie nicht."

Olympos

Science-Fiction
Erstauflage: 2005
Seitenanzahl: 953
Stichwort: Troja mal anders
Review online seit 2.07.2009

Inhalt. Die Handlung beginnt im historischen Troja mit allen seinen bekannten Helden aus dem Homer-Epos: Achilles, Hektor, Helena und weitere. Doch schon bald stellt sich heraus, dass es sich hier nicht um das historische Troja handelt, denn Trojaner und Griechen haben sich zusammengetan und führen Krieg gegen die Götter, mit Hilfe von kleinen Roboterwesen, die ihnen eine moderne Technologie zur Verfügung setllen. Auch wird schon bald eine Figur vorgestellt, die eher ins gegenwärtige Amerika passen würde als ins historische Troja.
So beginnt der Leser eine Reise, die ihn aus Troja hinaus, in die Hallen der Götter und weiter auf die Erde einer erschreckenden Zukunft führt.

Kritik. Man kann nicht sagen, dass Simmons unter Fantasiemangel leidet. Ich habe selten ein ernsthaftes Buch mit solchen Wendungen und Ideen gelesen. Riesige boshafte Gehirne mit Augen und Händen, die fantastischsten Erfindungen, Vermischungen von verschiedenen Zeitaltern und Roboterwesen mit den seltsamsten Namen und Charaktereigenschaften... Hier kommt das alles zusammen.

Für meinen Geschmack übertreibt Simmons aber durchaus damit. Teilweise sind die Handlungen sehr gewalttätig, da wird zerfetzt, gehackt und Gedärm entrissen - das ist schon nicht mehr feierlich, obwohl ich normalerweise ziemlich resistent gegen Gewaltbeschreibungen bin.

Leider bleiben wegen der Vielfalt an eingeworfenen fantasievollen Informationen auch einige Fragen offen - zB: Was soll das alles? Wie ist es soweit gekommen? Was ist passiert? So liest man eben das Buch durch, ohne Genaueres über die Hintergründe zu erfahren.

Ich habe zuvor schon erwähnt, dass es viele "Wendungen" gibt, und dazu präzisiere ich jetzt nochmal. Simmons opfert ohne mit der Wimper zu zucken den einen oder anderen Nebendarsteller, während die Hauptdarsteller zwar immer wieder in aussichtslose Situationen geraten, aber durch irrsinnige Zufälle doch immer wieder am Leben bleiben. Man kann meiner Meinung nach ein- oder zweimal solche Zufälle bringen, aber öfter wird dann irgendwie lächerlich.

Die Troja-Handlungen sind blitzsauber erzählt, die Sprache würde auch locker für ein pures historisches Troja-Buch durchgehen, während der Schnitt zu den Robotern und den übrigen Menschen auf der Erde tausende von Jahren in der Zukunft sehr gut gelingt.

Zuletzt lässt sich noch anfügen, dass Simmons die Kunst des "Cliffhangers" perfektioniert hat: Die Spannung steigert sich, wird immer größer, die Lage immer aussichtsloser, uuuund: neues Kapitel, anderer Handlungsstrang. Trotz allem Negativen, das ich bisher geschrieben habe, muss man aber anmerken, dass das Buch trotzdem spannend ist, Langeweile kommt kaum mal auf.

Wertung. 3 Sterne

Viele Kritikpunkte, aber trotzdem ein vor Fantasie strotzendes Buch.

Das Silmarillion

Fantasy / Erzählungensammlung
Erstauflage: 1977
Seitenanzahl: 493 inkl. Anhang + Stammbäume
Stichwort: Ereignisse in Mittelerde vor "Herr der Ringe", Fantasy
Review online seit 12.07.2008

Inhalt. In dieser Welt, wo noch nicht alle Wege krumm sind, entwickelt sich auch die Erzählung in mächtigeren Bahnen, als wir es seither kennen. Melkor, der Meister des Verrats, raubt die Silmaril, in denen das Licht verschlossen liegt, das älter ist als Sonne und Mond; und Feanor und seine Söhne, um sie zurückzugewinnen, sagen ihm einen hoffnungslosen Krieg ohne Ende an. Ein Erdteil von Geschichten kommt in Bewegung, Geschichten, die in den Liedern der Elben besungen und hier im Silmarillion erzählt werden. (Originaltext Buchrücken)

Kritik. Selbstverständlich bin ich als großer Fantasy-Liebhaber nicht an Herr der Ringe vorbeigekommen, DEM populären Werk, das den Grundstein für die Fantasyliteratur gelegt hat. Fasziniert nicht nur von der Story, sondern von der Tiefe der Geschichte mit allen Völkern, den Städten, der Magie musste sich mein Blick unweigerlich irgendwann auf "Das Silmarillion" richten. Ich, die ich immer interessiert an Geschichte und Legenden war - "an dem, was war", nicht nur an dem, was ist - hatte viele Fragen zur Vergangenheit von Mittelerde, den Hintergründen der Völker und Personen. Darauf hat das Silmarillion die Antworten. Der Schreibstil lässt sich fast als "biblisch" bezeichnen, was den bedeutsamen und legendenhaften Inhalt noch unterstreicht. Episch wird die Geschichte ab Erschaffung der Welt erzählt. Über Illúvatar, den Einen, der die Ainur erschafft, welche durch ihren Gesang die Welt entstehen lassen. Über Melkor, den mächtigsten der Ainur, der erfüllt von Hass Misstöne in den Gesang einwebt und Zwietracht sät. Über die Valar, die Maiar, die Elben, Menschen und Zwerge, über Kriege, Tod, Verrat und Liebe. Dieses Buch ist einfach episch.
Es ist keine zusammenhängende Erzählung wie das normalerweise bei Büchern so ist, sondern eine Zusammenfassung von verschiedenen Zeitaltern über Jahrtausende. Und trotzdem kein langweiliges Geschichtsbuch mit Daten und einer kurzen Beschreibung: mit Zwischenerzählungen und wörtlicher Rede kommt Leben in die Sache. Dem Leser erschließt sich dadurch lebendiges Wissen, das ihm beim Herrn der Ringe noch fehlte, Wissen, das direkt im Zusammenhang steht mit den dortigen Geschehnissen. Nachdem ich das Silmarillion gelesen hatte, konnte ich mir nicht mehr vorstellen, wie ich Herr der Ringe lieben konnte ohne die Hintergründe zu verstehen. Das Simarillion war für mich voll von Überraschungen und Erkenntnissen.
Aber: das Silmarillion gilt nicht umsonst als philosophisch und kompliziert. Es ist verwirrend zu lesen, es besteht im Grunde aus aneinandergereihten Fremdwörtern: es wimmelt von Eigennamen von Charakteren und Bezeichnungen von Orten. Das macht es schwer, sich alles zu merken. Es ist ein riesiger Haufen Information, was da auf den Leser einprasselt, und ich konnte mir beim Lesen bei weitem nicht alles merken. Wer war wer? Wer hatte welchen Ort gegründet und welches Volk lebte dort? Da kann einen schon mal Verzweiflung überkommen. Das Buch ist auf keinen Fall was für einen, der mal eben 2 Wochen Pause beim Lesen einlegt - wenn man schon beim täglichen Lesen nicht mehr mitkommt, kann man es bei längeren Pausen direkt stecken.

Trotzdem bezeichne ich das Silmarillion als wertvoll. Es ist nichts für den Sonntagslektürenleser, sondern richtet sich direkt an die fantasybegeisterten Anhänger von Tolkien, die nicht genug vom Herrn der Ringe kriegen und mehr wissen wollen.

Wertung. 4 Sterne
Vier Sterne für ein gewaltiges geschichtliches Werk voller Mythen, Legenden, Sagen und Fantasie. Ein Stern Abzug dafür, dass es recht schwer zu erfassen ist - was eigentlich nicht unbedingt ein Nachteil ist, sondern davon zeugt, dass der Autor sein Herzblut in die Sache hat fließen lassen. Das machts für den Normal-Leser aber auch nicht leichter ^^

Das Silmarillion - Zitate

"Melian war eine Maia, vom Geschlecht der Valar. Sie wohnte in den Gärten von Lórien, und unter all dem Volk war dort niemand schöner als Melian, noch klüger oder geschickter in Zaubergesängen. Es heisst, die Valar hätten ihre Arbeit und die Vögel von Valinor ihr Spiel ruhen lassen, die Glocken von Valmar seien verstummt und die Quellen hätten zu fließen aufgehört, wenn zu der Stunde, wo sich die Lichter mischten, Melian in Lórien sang. Nachtigallen waren immer um sie her, und sie lehrte sie ihr Lied; und sie liebte den tiefen Schatten der großen Bäume. Älter als die Welt, war sie mit Yavanna selbst verwandt; und um die Zeit, als die Quendi am Wasser von Cuiviénen erwachten, verließ sie Valinor und kam in die Hinnenlande, und sie erfüllte das Schweigen von Mittelerde vor der Morgendämmerung mit ihrer Stimme und den Stimmen ihrer Vögel."

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"Auf Morgoths Geheiß suchten die Orks unter großen Mühen die Leichen aller zusammen, die in der großen Schlacht gefallen waren, sowie alle ihre Rüstungen und Waffen; und sie warfen alles auf einen großen Haufen inmitten von Anfauglith, und er war wie ein Berg, und man konnte ihn von weither sehen. Haudh-en-Ndengin nannten ihn die Elben, den Hügel der Erschlagenen und Haudh-en-Nirnaeth, den Hügel der Tränen. Doch auf diesem Hügel wuchs wieder Gras, hoch und grün, das einzige Gras in dieser ganzen Wüste, die Morghoth geschaffen hatte; und keine von Morgoths Kreaturen betrat hinfort mehr die Erde, unter welcher die Schwerter der Eldar und der Edain zu Rost zerfielen."

Der Schatten des Windes

Roman
Erstauflage: 2005
Seitenanzahl: 563
Stichwörter: Spanien, Franco, Bücher
Review online seit 19.04.2009

Inhalt. Barcelona im Jahr 1945: der 10jährige Daniel, Sohn eines Buchladeninhabers und selbst eine gediegene Leseratte, gelangt an das Buch "Der Schatten des Windes". Innerhalb weniger Stunden liest er es durch und stellt fortan fest, dass das Buch ihn nicht mehr loslässt. Er fühlt sich von einer Person beschattet, die direkt wie aus diesem Buch entsprungen auftritt, tatsächlich aber von Daniel dieses Buch erbittet um es zu verbrennen. Es stellt sich heraus, dass es sich um die letzte Ausgabe dieses Buchs handelt und dass eine unbekannte Person es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, alle Bücher dieses Autors zu verbennen.

Im Laufe der Jahre erfährt Daniel immer mehr Einzelheiten aus dem Leben des Buchautors, von dem niemand weiß, wo und ob er überhaupt noch lebt. Daniel stellt außerdem fest, dass sein eigenes Leben erstaunliche Parallelen mit dem des Autors aufweist.

Mit Hilfe einiger Freunde versucht er als junger Erwachsener hinter das Geheimnis des Autors zu kommen und deckt dabei eine tragische Geschichte auf.

Kritik. Restlose Begeisterung :D Erst dachte ich noch, es handelt sich um einen Roman der Sorte "Romanfiguren erwachen zum Leben und verfolgen den Protagonisten", aber das ist es nicht. Dieses Buch kann man nur als intelligent durchdacht bezeichnen. Es ist kein Krimi, aber wie bei einem Krimi setzen sich hier immer mehr kleine Teile zu einem Ganzen zusammen. Daniel versucht, hinter die Geschichte des Autors zu kommen und bekommt die Informationen aus verschiedenen Quellen. In diesem Buch hat man sehr oft ein Déja-vu-Gefühl, nicht nur wegen der ähnlich verlaufenden Lebensläufe von Daniel und dem Buchautoren, sondern auch weil Daniel hier eine kleine Info am Rande aufschnappt und später eben diese Info, ausgekleidet mit einer richtigen Story, von jemand anderes nochmals präsentiert wird. Und das andauernd.
Außerdem tauchen immer mehr Personen auf, mit denen bereits der gesuchte Autor zu tun hatte und sich hier nun überraschend in die Geschichte einmischen.

Größtenteils erlebt man die Geschichte aus Daniels Sicht, hin und wieder jedoch werden die Geschichten anderer Figuren zusammengefasst aus deren Sicht erzählt.
Klingt sehr kompliziert, ist es aber nicht. Ich habe selten ein so tiefgehendes Buch gesehen, das einen so sehr fesselt und trotzdem alles strukturiert an den Mann bringt. Und dabei ist die Story auch noch sehr gefühlvoll geschrieben: da Daniel ein eigenes Leben hat, geht es mitnichten nur darum, in der Vergangenheit eines Unbekannten herumzuwühlen. Die Story hat mich einmal sogar bis in den Traum verfolgt ^^ Last but not least ist der Schreibstil dieses Buchs, passend zum Inhalt selbst, einfach nur intelligent. Schön, humorvoll und sehr stimmig.

Leider ist das Ende - nur das Ende und auch nur leicht - ein wenig überstürzt oder ein bisschen zu sehr auf Trändendrüse drücken geschrieben.

Wertung. 4 Sterne
Hervorragendes Buch, das Ende zieht die Wertung wieder ein wenig runter. Trotzdem vier Sterne mit einem +

Der Schatten des Windes - Zitate

Der 16jährige Daniel wird von seinem Freund zum Thema Frauen befragt.
«"[...] Wie gefallen denn Ihnen die Frauen, Daniel?"
"Ich verstehe nicht viel von Frauen, ehrlich gesagt."
"Wirklich verstehen tut keiner was, nicht einmal Freud, nicht einmal sie selber, aber das ist wie bei der Elektrizität, man braucht nicht zu wissen wie sie funktioniert, um eine gewischt zu kriegen. Na los, erzählen Sie schon. Wie gefallen sie Ihnen denn? Es sei mir verziehen, aber für mich muss eine Frau die Figur eines Vollblutweibes haben, damit man etwas zwischen die Finger kriegt, aber Sie sehen aus, als gefielen Ihnen die Mageren, und das ist ein Gesichtspunkt, den ich durchaus respektiere, nicht wahr, verstehen Sie mich nicht falsch."
"Wenn ich aufrichtig sein soll, habe ich nicht viel Erfahrung mit Frauen. Eigentlich gar keine."
Fermín Romero de Torres schaute mich aufmerksam an, neugierig geworden angesichts dieser Offenbarung von Askese."»

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Ein Unbekannter holt Daniel eines Abends im Dunkeln auf der Straße ein und möchte ihm das Buch "Der Schatten des Windes" abkaufen. Daniel fragt ihn, was er damit will.
"Was machen Sie denn damit, wenn Sie es nicht lesen?"
Der Fremde gab einen dumpfen Laut von sich, als ränge er mit dem Tod. Erst nach einigen Sekunden ging mir auf, dass er lachte.
"Das einzige, was man damit machen kann, Daniel", antwortete er.
Er zog eine Schachtel Streichhölzer aus der Tasche und zündete eins an. Die Flamme beleuchtete sein Gesicht, so dass ich es zum ersten Mal sah. Das Herz stand mir still. Dieser Mensch hatte weder Nase noch Lippen, noch Augenlider. Sein Gesicht war nichts anderes als eine schwarze, vernarbte, vom Feuer verzehrte Ledermaske. Das war die tote Haut, die Clara leicht berührt hatte.
"Sie verbrennen", zischte er, Stimme und Blick voller Hass.

Die Favoritin des Königs

Historischer Roman (historische Figuren)
Erstauflage: 2007
Seitenanzahl: 716 Seiten + Nachwort + Personenverzeichnis + Zeittafel
Stichwort: Mäträsse, Madame de Pompadour
Review online seit 21.08.2009

Inhalt. Dieses Buch handelt von der wohl bekanntesten Mäträsse eines europäischen Königs, der Madame de Pompadour.

Die junge, bürgerlich geborene Jeanne wächst zu Anfang des 18. Jahrhunderts beschützt durch ihren reichen väterlichen Protegé auf, der ihr außerdem eine für ihren Stand überdurchschnittlich gute Ausbildung zuteil werden lässt. Sie erhält so alle Voraussetzungen, um als junge Frau in den Pariser Salons und auf Veranstaltungen zu brillieren. Die außergewöhnliche Schönheit Jeannes und ihre Intelligenz lässt sie in die höheren Kreise der Pariser Gesellschaft aufsteigen, bis sogar der König Frankreich, Louis XV., auf sie aufmerksam wird. Die junge Frau wird zum Hofe in die Prunkstadt Versailles eingeladen und der König ist begeistert von ihrem Charme, ihrem Aussehen und ihrer ganzen Persönlichkeit, so dass er sie zu seiner offiziellen Mäträsse erhebt. Jeanne ist damit die erste bürgerliche Frau, die somit regelmäßigen Zugang zum Hofe von Versailles hat und außerdem auch noch die höchste Gunst des Königs genießt. Dadurch macht sie sich nur wenig Freunde und vor allem mächtige Feinde.

Kritik. Um ehrlich zu sein habe ich mir das Buch nur gekauft, weil ich Lesestoff für unsere Ukrainereise im August 2009 brauchte und dieses Buch im Preis runtergesetzt war. Viel hatte ich mir nicht davon erwartet, aber es ging immerhin um die Pompadour, von der ich erst vor einigen Monaten einen Artikel bei Wikipedia gelesen hatte. Außerdem interessierte mich das "Mäträssentum" und so war ich doch erfreut, nun vergünstigt an einen solchen Roman zu kommen. Trotzdem hatte ich niedrige Erwartungen.

Diese wurden zu Anfang auch erfüllt. Der Schreibstil und der ganze Handlungsaufbau zu Anfang des Buches während Jeannes jungen Jahren kam mir eher plump und gleichförmig vor, und die Charaktere irgendwie nicht richtig ausgeformt. Auch die Handlung selbst bis etwa zur Mitte des Buchs - dass Jeanne es gelingt, den König zu verzaubern und allen Widerständen zum Trotz zu seiner Mäträsse zu werden, fand ich zwar unterhaltsam, aber nicht tiefer beeindruckend. Ich verglich das Buch bis dahin mit einem unterhaltsamen Actionfilm mit Will Smith & Konsorten, der einen zwar einen Abend unterhält, aber dessen Name und Handlung man schon eine Woche später vergessen hat.

Mit der Zeit aber begeisterten mich vor allem die Sprache der Dialoge in feiner und eleganter Wortwahl immer mehr, auch die Intrigenspiele der Handlung nahmen zu und es war keineswegs mehr so, dass die gute Jeanne einfach immer nur das bekommt, was sie will. Es häufen sich Verwicklungen, Verrat und Rückschläge, und gegen Ende ging das Buch mir so nahe, dass ich kaum davon ablassen konnte und vor allem voll in den Gefühlsstrudel mitgezogen wurde. Ein paar wenige, kaum auffällige und auch unwichtige Fehler bleiben aber trotzdem vorhanden: einmal stirbt ein Neugeborenes nach wenigen Tagen, an anderer Stelle stirbt das selbe Kind erst nach Monaten; oder der Rang einer Duchesse wechselt mitten im Gespräch zu einer Comtesse. ^^

In diesem Buch wird die Mäträsse nicht als machtgieriges Weib, die den König voll unter Kontrolle hat, dargestellt. Dazu schreibt die Autorin auch am Ende noch ein paar Zeilen im Nachwort - das Buch ist natürlich nur ihre eigene Interpretation des Themas, sie nimmt aber Bezug auf tatsächliche Meilensteine im Leben der Pompadour und präsentiert logische Gründe dafür. Jeanne ist in diesem Buch eine liebenswürdige Frau, die ihre eher skandalöse Herkunft mit Charme und Freundlichkeit überspielen will und so eher naiv und unvorbereitet in das Intrigenspiel des Hofs hereinrutscht.

Die bereits erwähnte Dialogsprache ist wirklich schön zu lesen und es ergeben sich dadurch auch einige humoristische Spitzen. Schön!

Wertung. 4 Sterne +
Ein Frauenbuch, wie es im Buche steht ^^ Liebe, Intrigen, alles dabei.

Die Favoritin des Königs - Zitate

Der junge französische Thronfolger musste gegen seinen Willen heiraten, so dass der Vollzug der Ehe auf sich warten ließ. Endlich scheint dann das Problem gelöst zu sein, wie der Onkel der Braut, ein hoher Befehlshaber der Armee, zu berichten weiß.
«Am Nachmittag hatte der Thronfolger endlich allen Mut zusammengenommen und sich ohne viele Umstände auf die erschrockene Dauphine gestürzt.
"Der Angriff erfolgte überraschend und die feindliche Stellung hat sich tapfer gewehrt, es dann aber für vorteilhafter erachtet, sich zu ergeben", berichtete der Maréchal mit einem breiten Grinsen, als er Jeanne am Abend beim Souper traf.»

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Der König erweist Jeanne seine Gunst, indem er sie in den Rang einer Duchesse erhebt. Ein Höfling verspottet daher einen Minister, der Jeanne lieber vom Hofe verbannt sehen würde.
«Ein leises Raunen ging durch den Saal. Weiter hinten im Saal beugte sich Richelieu mit spöttischer Miene zu d'Argenson, der die Zeremonie mit eisiger Miene verfolgt hatte.
"Duchesse! Beachtlich, nicht wahr, Comte", raunte der Duc.
"Damit steht sie im Rang über Ihnen. Sie werden gezwungen sein, sich vor ihr zu verbeugen, und müssen in ihrer Gegenwart stehen." Richelieu lachte vergnügt auf.
Der Comte, dessen Falten sich an den Mundwinkeln in den letzten Tagen noch ein wenig tiefer in die Haut gegraben haben, warf ihm einen vernichtenden Blick zu.»

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